Protest gegen Abschiebung eines Flüchtlings: Passagiere rebellieren

Foto: epa/Alberto Estevez
Foto: epa/Alberto Estevez

MADRID (dpa) - In Spanien haben Dutzende Flugpassagiere gegen die Abschiebung eines afrikanischen Flüchtlings protestiert und damit einen Flug von Barcelona in die senegalesische Hauptstadt Dakar um mehr als vier Stunden verzögert. Der Zwischenfall habe sich am Samstag auf dem Flughafen El Prat in Barcelona ereignet, bestätigte am Sonntag die betroffene spanische Fluggesellschaft Vueling auf Anfrage.

Die Fluggäste hätten gegen die «Verletzung der Rechte» eines Mannes protestiert, der gegen seinen Willen ausgeflogen werden sollte, berichtete eine Passagierin, Anna Palou, dem katalanischen Fernsehsender TV3. Der von zwei Polizisten begleitete Flüchtling habe Handschellen getragen und geschrien. Rund 50 Passagiere hätten sich aus Protest geweigert, Platz zu nehmen, sagte die Passagierin Laura Arau der Zeitung «El Periódico».

Eine andere Passagierin, Anna d'Acuña, klagte auf TV3, der Flugkapitän habe nicht mit den empörten Passagieren sprechen wollen. Nach rund eineinhalb Stunden seien alle 172 Passagiere aus dem Flugzeug gebeten worden. Elf von ihnen, die von der Polizei mit Hilfe der Piloten als Initiatoren der Aktion identifiziert worden seien, sei später der Flug nach Dakar untersagt worden.

Nach Angaben des Portals Flightradar24.com startete die Maschine vom Typ Airbus A320-100/200 mit fast viereinhalb Stunden Verspätung. Ob der Flüchtling mit an Bord war, war zunächst nicht bekannt. Weder die Flugbehörden noch die Polizei oder Vueling wollten den Zwischenfall kommentieren.

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Leserkommentare

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Jürgen Franke 18.07.17 09:54
Es sollte doch auch in Spanien gelingen,
einen Randalierer ruhig zu stellen. In Deutschland versuchen Abzuschiebende sich vor dem Abflug noch schnell zu verletzen, um ins Krankenhaus zu kommen.
Phaiwan Cieslar 17.07.17 22:15
Frechheit siegt leider oft
Ein normaler nicht anerkannter Asylbewerber wird nie und nimmer von zwei Polizisten begleitet und in Handschellen gelegt ausgeflogen, auch nicht in Spanien, Dazu gibt es mit Sicherheit sehr triftige Gründe. Sich da als unwissender Außenstehende einzumischen und wegen seinem Geschrei ihm zu helfen mittels "humanitärer Erpressung", ist nicht akzeptabel. Woher kamen die Helfer? Und vermutlich ist er immer noch in Spanien.