Pattaya goes Culture (1)

Zwischen Vergnügungsviertel und Go-Go-Bars auf der Suche nach einer eigenständigen Kunstszene in Pattaya

Mana Yaprakham “Artist Mana” kopiert das Gemälde “Judith II” von Gustav Klimt.
Mana Yaprakham “Artist Mana” kopiert das Gemälde “Judith II” von Gustav Klimt.

Eröffnungsveranstaltungen von Kunstausstellungen dienen unter dem Aspekt "sehen und gesehen werden" in erster Linie dem Kennenlernen von Menschen und der Kontaktpflege untereinander. Manchmal haben sie auch etwas mit der Präsentation von Kunst zu tun oder der Einführung von jungen oder auch bereits arrivierten Künstlern, die dem Vernehmen nach dabei sogar hier und da eines oder auch mehrere ihrer Werke verkaufen sollen.

Diese zugegebenermaßen etwas schräge Charakterisierung stammt nicht etwa aus Piroschka Dossis 2007 in München erschienenem Buch "Hype! Kunst und Geld", sondern entsprach eher dem Eindruck, den der Verfasser am 31. Januar 2009 aus der "Gallery Opium" mitnahm, wo unter dem Titel "Inspiration from my friend’s spirit" die Eröffnung der Ausstellung von Werken des 1984 in der thailändischen Provinz Kalasin geborenen Narong Wannasa stattfand. Dazu hatten sich etwa 120 Besucher in der Galerie versammelt, etwa 80 Prozent von ihnen Ausländer.

Ein kurzes Gespräch mit dem Betreiber der Galerie, Alan Kirkland-Roath, dessen Visitenkarte ihn selbst als "Watercolour Artist" auswies, setzte mich auf die Fährte, einmal nach der Kunstszene in Pattaya zu suchen.

1. Februar 2007:

Besuch in der Santi Gallery in der Walking Street 309/ 1. Wie ein tiefer Schlauch zieht sich der Ausstellungsraum von der Straße aus in das Gebäude hinein. Hier findet man Kopien von Bildern eines August Macke, eines Rembrandt oder auch eines Albrecht Dürer. Zu meiner großen Überraschung prangen aber auch einige Porträts von "GröFaZ"¹ Adolf Hitler an der Wand, der mal in dezent zivilem Tuch, aber auch in brauner Uniform mit Hakenkreuzarmbinde an einem Rednerpult abgebildet ist. Die Überraschung verschlägt mir dermaßen die Sprache, daß ich sogar vergesse, den Galeristen zu fragen, was so etwas kostet und vor allem, wer so etwas kauft! Als ich mich in Vorbereitung auf diesen Beitrag erneut in die Walking Street aufmache, um der Santi Gallery einen weiteren Besuch abzustatten, weil ich dort die beiden Fragen zu gerne noch beantwortet bekommen hätte, erfahre ich, daß diese inzwischen der Nok-Bar Platz gemacht hat. – Schade? Nein, eigentlich nicht!

16. Januar 2008:

Auf der Fahrt die Thappraya Road hinunter, die später in die Pattaya 2nd Road übergeht, zähle ich flüchtig vom Taxi aus bis zur Kreuzung der South Pattaya Road mehr als zehn Galerien. Am Eingang zur "Boyz Town" stoße ich auf eine weitere mit Namen "Artist Mana". Der 39-jährige Mana Yaprakham ist gerade dabei, im Auftrag des Managers des Tiffany-Cabarets eine Kopie von Gustav Klimts "Adele Bloch-Bauer" aus dem Jahr 1907 anzufertigen. Mana, der nie malen oder kopieren gelernt hat, sondern als reiner Autodidakt daherkommt, verwendet dabei viel Blattgold. Für den oberflächlichen Betrachter kommt die entstehende Kopie dem Original, das ihm in Form einer Abbildung des 2007 im Münchener Prestel Verlag erschienenen voluminösen Bildbandes über Gustav Klimt vorliegt, erstaunlich nahe. Die Frage, warum er nicht einmal versucht, einen eigenen Stil zu entwickeln und sich damit bei einer Galerie für eine Ausstellung zu empfehlen, sein Geld könne er ja weiterhin mit Kopien verdienen, scheitert an seinen eingeschränkten Englischkenntnissen.

31. Januar 2009:

Die "Gallery Opium" zeigt in der oben erwähnten Einzelausstellung Werke des Künstlers Narong Wannasa. Es gibt sie also doch in Pattaya, die echte, die kreative Kunst, die sich nicht aufs Anfertigen von billigen Kopien alter oder junger Meister oder dem in Öl gefertigten Konterfei für die Lieben daheim beschränkt. Narong gehört der jungen Thappraya Group an, so genannt nach der Thappraya Road, wo sich die Gruppe zunächst regelmäßig traf und nun ein Studio unterhält. Zu ihr gehören neben Narong auch Thawatchai Homthong, Vasin Suttikasem und Wasan Suttikasem. Im Oktober 2008 trat die Gruppe mit ihrer ersten Ausstellung "The Golden Kingdom" in der "Silom Galleria" in Bangkok an die Öffentlichkeit.

5. Februar 2009:

Auf der Suche nach einer eigenständigen Kunstszene in Pattaya treffe ich mich mit Alan Kirkland-Roath, dem Besitzer der "Gallery Opium", zu einem Gedankenaustausch im Sheraton Pattaya Resort. Grund ist der Umstand, daß Alan gerade mit dem aus Bangkok stammenden Kritiker Brian Curtin in dem Hotel eine Ausstellung von Gegenwartskunst zusammengestellt hat. Unter dem Titel "New Ecologies" werden circa 150 Exponate von 28 verschiedenen Künstlern aus aller Welt präsentiert, darunter auch eine ganze Reihe einheimischer. Ein großer Teil von ihnen ist, wie übrigens Alan selbst, Autodidakt, aber es sind selbstverständlich auch Vertreter darunter, die ihr Metier von der Pike auf gelernt haben. Und, um es gleich vorweg zu sagen, das Ergebnis, das da im Sheraton präsentiert wird, kann sich sehen lassen!

"Nein, eine Kunstszene wie beispielsweise in den unterschiedlichen Ländern Europas gibt es weder in Pattaya noch in Thailand", stellt Alan gleich zu Beginn unserer Unterhaltung fest.

"Dazu müßte es ein engmaschiges Netz an Galerien geben, die, unterstützt durch eine Reihe von Sponsoren, den Künstlern die Gelegenheit geben, ihre Werke auszustellen. Nehmen sie doch mal Deutschland, da gibt es keine größere Stadt, die nicht mindestens über eine Galerie verfügt. Dazu bedarf es zudem eines wie auch immer gearteten Netzwerks, über das Interessenten untereinander in Kontakt stehen und sich gegenseitig austauschen können. Und schließlich, ein Künstler muß auch von seiner Tätigkeit leben können! Das kann er in Thailand nicht!"

"Wenn schon ein Künstler in Thailand nicht ausschließlich von seiner Kunst leben kann, drängt sich natürlich die Frage auf, ob es denn der Galerist kann", werfe ich ein.

Alan kann sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen.
Alan kann sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen.

Nein, auch das funktioniere nicht, erwidert Alan. Es gebe in Pattaya drei oder vier Galerien für moderne Kunst. Die bekannteste unter ihnen sei wohl die "Liam’s Gallery", deren Besitzer, ein Ire, sich als Sammler und Sponsor asiatischer Kunst einen Namen gemacht habe. Mit seiner eigenen Galerie, so Alan, gehe er nunmehr ins vierte Jahr, aber ohne die vielen Helfer, die sich immer wieder aus reinem Enthusiasmus zur Kunst zur Verfügung stellten, käme man nicht weit. Zu einer gut funktionierenden Kunstszene gehöre im Hintergrund auch ein verläßliches Sponsoring, das einen auch einmal in die Lage versetzen würde, Wagnisse einzugehen, denn als Galerist beurteile er nicht, was die Künstler für eine Ausstellung anlieferten, sondern sein Ziel sei es lediglich, ihnen eine Chance zu geben.

Engagiert sich als Künstler, Galerist und Kurator für die Contemporary Modern Art in Pattaya, der Brite Alan Kirkland-Roath.

"Damit unterscheiden sie sich natürlich in ihrer Zielsetzung grundsätzlich vom europäischen Markt, wo man manchmal den Eindruck gewinnen kann, daß das als Kunst zu gelten hat, von dem der Galerist behauptet, es sei welche!"

Der Rundgang kann beginnen!

"Ach wissen Sie, wir stehen hier in Asien ja noch ganz am Anfang. Unser Ziel ist es zunächst einmal, Pattaya überhaupt an die unterschiedlichsten Erscheinungsformen von Gegenwartskunst heranzuführen. Wir hoffen, daß wir aus der augenblicklichen Präsentation einmal eine jährliche Bilderschau machen können, die dann auch in Zusammenhang mit anderen, vergleichbaren Events in Pattaya gestellt werden kann. Da bleibt noch viel zu tun!"

Bevor wir uns auf den Weg durch die Ausstellung machen, will ich von Alan noch wissen, warum sie ausgerechnet den Titel "New Ecologies" trägt. Pattaya, so seine Antwort, "…the city of variety", wie sie sich selbst nenne, sei eine pulsierende und vibrierende, durch die Internationalität ihrer Gäste tatsächlich vielfältig geprägte Stadt, ständig auf der Suche nach sich selbst und einer eigenen Identität. Auf eben diesen Zustand beziehe sich "New Ecologies", nämlich das ehemals verschlafene Fischerdorf Pattaya in Beziehung zu setzen zu der sich rasant entwickelnden Globalisierung einschließlich aller damit verbunden Risiken und Nebenwirkungen. Diese Vielfältigkeit, diese permanente Veränderung, die Verbindung von national und international werde durch die Unterschiedlichkeit der Exponate der Ausstellung geradezu exemplarisch dargestellt.

Die zu sehenden Ausstellungsobjekte werden in den unterschiedlichsten Bereichen des Hotels präsentiert. Der Gang durch dessen Räumlichkeiten gerät dabei zugleich zu einer Besichtigungstour durch eines der schönsten Designer-Hotels der Stadt. Immer wieder wandert der Blick von den Kunstobjekten auch auf die architektonischen Reize des Gebäudes und die faszinierende Umgebung, in die es hineingebaut wurde. Die meisten Exponate sind so in das Interieur des Hotels einschließlich dessen Wasserspiele integriert, als hätten sie nie anderswo gestanden oder gehangen. Es fällt schwer, von beidem nicht fasziniert zu sein. Dabei ist die Qualität der Ausstellungsstücke sämtlichst so anspruchvoll und doch zugleich so unaufdringlich, daß es sich von allein versteht, keines namentlich besonders herauszustellen. Jedes einzelne von ihnen entspricht höchstem internationalen Standard und braucht keinen Vergleich zu scheuen.

"Ich bin begeistert, was uns hier für eine prächtige Ausstellung zur Verfügung gestellt wurde. So etwas hat Pattaya noch nicht gesehen", schwärmt deshalb auch Dietmar Koegerl, deutscher General Manager des Sheraton Pattaya Resort, und empfiehlt gleichzeitig, "das Beste wäre, zunächst am späten Nachmittag einen Gang durch die Ausstellung zu machen, um daran anschließend bei einem ausgiebigen Abendessen von einem unserer Restaurants aus den Sonnenuntergang zu genießen."

Ein Vorschlag, dem sich der Verfasser uneingeschränkt anschließen kann. Sehr empfehlenswert!

Die Ausstellung ist noch bis zum 25. April im Sheraton Pattaya Resort, 437 Phra Tamnak Road zu sehen.

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