Odyssee Führerschein-Verlängerung

Ein Leser berichtet von der Verlängerung seines Thai-Führerscheins in Pattaya:

Eigentlich kann ich mich nicht erinnern, dass ich Behördengänge in Thailand ohne Probleme erledigen konnte. Mal waren nicht ausreichend Kopien vorhanden, mal fehlte das Dokument, mal war die Unterlage nicht unterschrieben usw. usw.

Für den neuen Führerschein, bzw. dessen Verlängerung um fünf Jahre, hatte ich mich ja bereits letzte Woche vorabinformiert. Es werden folgende Dokumente benötigt: Adress­nachweis, Kopien von Pass und Visum sowie vom alten Führerschein. Ein Gesundheitszeugnis wurde nicht mehr verlangt. Natürlich sollte man auch die Originale mitnehmen. Auf meine Nachfrage bei einem jungen Mitarbeiter am Informationsschalter, ob für den Adressnachweis das gelbe Hausbuch ausreiche, antwortete er damals mit: „ja.“

Und wie ist es mit den Prüfungsfragen? 50 Fragen sollten beantwortet werden? Im Internet hatte ich mich schlau gemacht und einiges über Führerscheinfragen und dessen Beantwortungen gelesen. Links vor rechts, wer hat Vorrecht im Kreisverkehr und wie ist die Höchstgeschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften? Antworten darauf hatte ich nicht gefunden. Über richtiges Parken am Straßenrand und wo man nicht überholen darf, darüber ja.

Am Schalter Numero 12 im ersten Stock saß eine junge Frau. Sofort präsentierte ich die Originale und Fotokopien vom alten Führerschein, Reisepass mit Visum sowie dem gelben Hausbuch. Das Fräulein sah sich die Unterlagen an und bemängelte das gelbe Hausbuch, das akzeptieren sie, also diese Behörde, nicht.

„Was?“ fragte ich, „ich war letzte Woche hier und fragte einen jungen Mann, der hier saß, und der bestätigte die Akzeptanz des gelben Buches als Wohnortnachweis.“ „Nein“ erwiderte die junge Beamtin, „das gelbe Buch akzeptieren wir nicht mehr.“ „Ab wann?“ „Ab jetzt.“ antwortete sie. „Aber, wenn Sie den Führerschein mit der Gültigkeit von 2 Jahren beantragen dann ginge es.“ „Nee, ich will ihn schon für 5 Jahre haben. Was muss ich machen?“ „Zur Immigration nach Jomtien fahren und dort die Wohnortbestätigung beantragen.“ „Apropos, wie hoch sind die Gebühren für den Führerschein?“ fragte ich noch. „605 Baht.“ antwortete die Schalterbeamtin. Außergewöhnlich, keine Preiserhöhung innerhalb von mindestens fünf Jahren. Das ist erfreulich für die Antragsteller.

Ich hatte also wieder einmal Recht, kein Behördengang ohne Probleme. Noch vor fünf Jahren in der Provinz Samut Prakan, pochte man explizit auf das gelbe Hausbuch. Nicht nur die unterschiedlichen Auslegungen von Provinz zu Provinz, sondern auch der einzelnen Mitarbeiter untereinander, machen es den Antragstellern schwierig. Was gestern wahr war, kann heute – ohne Vorwarnung – schon falsch sein.

Bei dem Informationsschalter in der Eingangslobby des Immigration Büros fragte ich nach, wo ich die Wohnortbescheinigung erhalten könnte. Mir wurde ein Zettel in die Hand gedrückt, den ich ausfüllen und Kopien vom Reisepass, Visum mit Arrival Card sowie zwei Passfotos beifügen sollte. Irgendwie erinnerte mich die ganze Prozedur an die 90-Tage-Meldungen wegen meiner Aufenthaltsgenehmigung. Auf dem Formular fügte ich meinen Namen und Adresse ein. Dann war noch eins von zwei Kästchen anzukreuzen: „Driving Licence“ oder „others“.

Zügig ging es mit der Erstellung der drei Fotokopien und selbst der Passfotos weiter. Sie kosteten 150 Baht plus 3 x 3 Baht für die Kopien. Mit allem Klumpatsch begab ich mich wieder zum Informationsschalter. Nach kurzer Zeit wurde meine Wartenummer aufgerufen, ich ging zum entsprechenden Schalter. Ich legte alle Unterlagen auf den Tresen und die junge Mitarbeiterin überprüfte sie auf Vollständig- und Richtigkeit. „Und wie ist Ihre Adresse?“ fragte sie mich. Ich zückte unvermindert meine rosa „Thai ID Card“. Sie nahm die Karte und fotokopierte sie zusammen mit meinem Reisepass. Ich wurde aufgerufen und ich durfte erst einmal die Gebühr von 300 Baht bezahlen. Dann wurde mir die gewünschte Wohnortbescheinigung übergeben. Man könnte sauer werden, wenn man weiß, dass am gegenüberliegenden Schalter für die 90 Tage Meldung, alle persönlichen Daten bereits vorliegen, also in einem Computer gespeichert sind. Diese Kontrolle, die alle 3 Monate stattfindet, kostet aber nichts.

Zurück zur Führerscheinstelle. Jetzt saß der junge Mann von letzter Woche wieder hinter dem Tresen. Natürlich wurde er gleich zu Rede gestellt, warum er mir eine Falschauskunft gegeben hatte und ich übergab ihm alle meine Dokumente. „Nein, das mit dem gelben Buch war schon die richtige Auskunft.“ „Was???“ In dem Moment kam seine Kollegin von heute Vormittag – vielleicht seine Vorgesetzte – hinzu und berichtigte ihn, dass das gelbe Buch als Adressnachweis nicht mehr akzeptiert wird. „Seit wann?“, fragte er nach. „Seit jetzt“, verstand ich die Antwort der jungen Frau.

Endlich war es so weit und circa 30 Führerscheinbewerber trafen sich im Trainingsraum Nr. 1. Es waren Männer und Frauen, Deutsche, englischsprechende, Araber, Japaner und Thais. Alle Teilnehmer wurden dann aufgefordert, in Thai und englischer Sprache, sich in einen abgesperrten Bereich zu begeben. Dort befand sich an dem einen Ende eine größere runde Tafel mit verschiedenen Farbpunkten in rot, gelb, grün und blau. An dem anderen Ende, etwa drei Meter entfernt, befand sich ein Plastikstuhl und davor zwei Pedale für einen Brems- und Reaktionstest. Reihum wurden die Aspiranten befragt, welche Farbpunkte sie sahen, auf die die junge Frau zeigte.

Unterhalb dieser runden Farbscheibe befand sich ein kleiner Kasten mit Guckfenster. In dem Innenraum waren zwei senkrechte Stäbe, einer davon rot markiert. Dieser konnte mittels Fernbedienung nach vorne oder hinten bewegt werden. Ziel war es, beide Stäbe auf einen gleichen Abstand zueinander zu bringen. Die Teilnehmer setzten sich nacheinander auf den Stuhl und nahmen die Fernbedienung in die Hand. Jeder versuchte sein Glück und die meisten schafften es im ersten Versuch. Sinn und Zweck dieser Übung blieben mir trotzdem verborgen.

Eine schriftliche Prüfung, also Beantwortung von irgendwelchen Fragen, gab es nicht! Und nun der Reaktionstest... Nee, der fiel einfach aus und wir wurden in den Trainingsraum mit etwa 50 Sitzplätzen gebeten. Unsere Vorturnerin, hielt dann eine kleine Ansprache. Ein Lehrfilm würde jetzt gezeigt werden, alle Handys sollten ausgeschaltet sein, keiner dürfe den Raum verlassen und jeder soll intensiv den Film betrachten. Eine Überwachungskamera an der Decke des Raums würde uns beobachten. Zuwiderhandlungen würden drakonisch bestraft – dass man morgen noch einmal antanzen dürfte, also heute den Führerschein nicht bekommen würde.

In einem Schreibheft sollten sich alle Teilnehmer mit Namen eintragen und ankreuzen zu welchem Test sie hergekommen waren, also für Moped- oder Kfz-Führerschein oder für beides. Alle Anwesende starrten intensiv auf den Bildschirm. Der 40-minütige Film zeigte eine junge Frau hinter dem Autosteuer und einen Fahrlehrer, die sich auf Thai unterhielten und der mit englischem Text untertitelt war. Die letzten Minuten des Films waren mit Schockbildern gespickt, von Unfällen mit Verletzten und Toten, die man auch bei YouTube sehen kann.

Nach einer Weile erschien unsere Lehrgangsleiterin und rief jeden Teilnehmer mit Namen auf. Sie überreichte jedem Anwesenden die Bewerbungsunterlagen mit dem alten Führerschein. Auf einer dieser Seiten waren die Einzelheiten des neuen Führerscheins, also Name und Adresse, notiert und wir sollten mit einer Unterschrift die Richtigkeit bestätigen. Die alten Führerscheine wurden eingezogen.

Die nächste Prozedur war die Bezahlung der Gebühren. Auf der anderen Seite des Stockwerks befand sich die Kasse. Wieder im Gänsemarsch, einer nach dem anderen, gingen wir zur Geldeintreiberin. „655 Baht“, sagte sie zu mir. „Was??? Ich dachte 605 Baht kostet der Spaß?“ „Nö, da war eine Adress­änderung zum alten Führerschein, von Samut Prakan nach Chonburi und die kostet 50 Baht extra.“ Das verstand ich natürlich, dieser Mehraufwand musste bezahlt werden und mit Murren zückte ich einen weiteren 50-Baht-Schein. Die neue Führerscheinkarte kostete jetzt insgesamt 1.114 Baht.

Wieder bekam ich eine Wartenummer, ich weiß nicht die wievielte heute. Ein paar Meter weiter saßen zwei Frauen hinter Schreibtischen, ausgestattet mit Fotokameras, Computer und Druckvorrichtung für die neuen Führerschein Plastikkarten. Dahinter befand sich ein Wartebereich mit Stühlen und Bänken. Endlich wurde meine Nummer aufgerufen. „Ich komme schon“, rief ich auf Thai. Ich begab mich zu einer der beiden Fotografinnen und setzte mich. „Kopf etwas mehr links, Körper etwas mehr rechts gedreht, lächeln“. Klick. Fertig.

Zurück zum Wartebereich und wieder ein paar Minuten absitzen. „Khun Henry“ wurde von meiner Fotografin gerufen. „Ich komme schon“, antwortete ich wieder. Jetzt erhielt ich meinen neuen, 5 Jahre lang gültigen Führerschein. Ich bedankte mich und machte einen Wai, den sie erwiderte. „Wir sehen uns in 5 Jahre wieder,“ meinte ich noch zum Abschied.

Schlussendlich wünsche ich mir für die Zukunft eine verbesserte Prüfung, wie es wohl die Regierung jetzt plant und eine bessere Kooperation und Anerkennung zwischen den einzelnen Administrationen und denen von ihnen ausgestellten Dokumente, wie zum Beispiel von der Bezirksverwaltung (gelbes Hausbuch und rosa „ID Card“). Es muss nicht alles doppelt oder dreifach gemacht werden!

Henry Birkenhagen, Pattaya

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Leserkommentare

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Joe Peterson 20.06.17 10:08
Thai Führerschein mit Touristenvisa?
Hallo Wie kommt es das sie den Thai Führerschein mit einem Touristenvisum bekommen? Ich war auf der Immigration und der Strassenverkehrsamt die bestätigten mir ich erhalte eine Wohnsitzbestätigung erst,wenn ich ein Jahresvisum hab,Non Immigrant Visum o für 3 monaten danach erhalte ich ein Jahresvisum.Erst dan bin ich im System bei der Immigration sichtbar.Auf meiner Botschaft das gleiche keine Wohnsitzbestätigung wenn ich kein Jahresvisum besitze. Ich informierte mich lange im Netz und bekamm überal die selbe Antwort. L.G.Joe
Tobi 10.06.17 22:49
Keine Probleme
Ich hatte gestern meine Thai Führerscheine geholt. Es gab keine Probleme, sehr freundlich und einfach. Nur der Film hat etwas genervt ;-) Das ganze hat mich 850 Baht gekostet für Auto und Motorrad für 2 Jahre Gültigkeit. 40 Baht Arzt 300 Baht Wohnsitzbestätigung bei der Immigration 510 Baht Führerschein Alles an einem Tag ohne Probleme. Hab zuvor im Internet gelesen was ich brauche und mir das Formular für die Immi ausgedruckt. Ich habe nur ein Touristenvisum für 6 Monate, auch das klappt. Und in 2 Jahren kommt die Verlängerung! Leider hatte ich im Vorfeld viele Farangs die mich falsch beraten haben ( wie mit dem Touristen Visum geht nicht, du brauchst dafür das gelbe Hausbuch und und .....) Ein Tip, schaut selber im Internet nach und lasst euch nicht verwirren! L.G. Tobi
dany 06.06.17 09:36
Warum Zeitverschwendung?
Ich finde den Leserbrief interessant da viel infos zu entnehmen sind wo viele Kommentarschreiber in diesem forum nicht sehen.
Heinz Roembell 05.06.17 21:35
Führerschein Verlängerung
Geehrter Herr Birkenhagen Da wird man Ihnen nicht widersprechen können, der Ablauf im Verkehrsbüro könnte einfacher und schneller organisiert werden. Das aber eben nur an unseren Massstäben gemessen. Hier leben wir in Thailand und da gelten andere Vorstellungen von Organisation und Arbeits Beschaffungs Methoden. Manchmal bedaure ich das auch, gehe dann aber nicht so weit das ich das als Schikane empfinde. Ihrem langatmigen Minutentakt Leserbrief ist zu entnehmen, dass sie sicherlich länger gebraucht den Brief zu komponieren als Sie im Verkehrsbüro verbracht haben, folglich also genug Zeit zur Verfügung haben. Also, war die Wartezeit doch gut investiert, und nun bleiben Ihnen weitere 5 Jahre sich über die Thai Mentalitaet zu aergern, schadet aber eigentlich nur Ihnen.
Mike Dong 05.06.17 15:03
@Hr.Birkenhagen
Da verschwenden Sie Ihre Zeit um so einen langen Leserbrief zu schreiben. Warum eigentlich, was ist Ihre Motivation ? Wollten Sie uns mitteilen, daß die Organisation nicht perfekt wie in DACH war ? Oder fanden Sie den Preis für die Kopien zu teuer ? Vielleicht dauerte ihnen der Test zu lange ? Oder der Schein war zu teuer ? Was wollten Sie uns nun mitteilen ? Was bei mir angekommen ist, wäre das Folgende. SIE wissen es nicht zu schätzen, wie man Sie als AUSLÄNDER hier unterstützt. SIE haben keine Ahnung wie es Ausländern in DACH ergeht. Die Führerscheinumschreibung in Thailand ist ein super einfacher Prozess und super günstig. Mein Fazit: SIE haben sich hier als typisch besserwisserischer Falang geoutet, der nach Pattaya passt. Besser noch genau da wo es nur Schnitzel und DACH'ler gibt.. Ich bedauere jeden Thai, der sich mit Leuten wie Ihnen beschäftigen muß.ฝรั่งรู้มาก