Odyssee eines Titanwurz mit Happy End…

Von „Stinkenden Zehen“, Erdbeerbäumen, Yucca-Palmen und edlem Weihrauch

Der Titanwurz hat die lange Reise offensichtlich gut überstanden, hat gekeimt, bald halten wir die Nasen zu. Fotos: hf
Der Titanwurz hat die lange Reise offensichtlich gut überstanden, hat gekeimt, bald halten wir die Nasen zu. Fotos: hf

Groß war die Freude als mir Rene Stalder vom Botanischen Garten in Zürich eine fast drei Kilo schwere Titanwurz-Knolle aus seinem Privatbesitz geschenkt hat. Doch dann ging diese wertvolle Knolle beim besten Willen einfach nicht mehr in den Koffer.

Hier wächst eine „Stinkende Zehe“ rasch heran.
Hier wächst eine „Stinkende Zehe“ rasch heran.

Ich fliege fast immer mit Thai Airways von Europa zurück. Ein wichtiger Grund sind die 30 Kilo Gepäck, die auch einem Economy-Fluggast zustehen, und Dank meiner Silberkarte kann ich sogar 40 Kilo Gepäck aufgeben. Aber auch diese 40 Kilo erreiche ich jeweils schnell, die erstandene Salatschleuder und der Sparschäler waren da gewissermassen kleine Fische. Mit der großen Knolle des Amorphophallus titanum (unförmiger Riesenpenis) aber, war das Limit mehr als überschritten.

Umwege über D und dann Dubai

Schweren Herzens musste ich die schwere Knolle bei meiner Schwester im Garten zurücklassen. Doch etwa 14 Tage später fragte mich ein Gartenfreund aus Deutschland, ob er mir etwas mitbringen könne? Mein Neffe sandte ihm die Knolle sorgfältig verpackt per Postkurier am nächsten Tag, das Porto betrug 120 Franken. Damit war alles auf guten Wegen, dachte ich zumindest.

Ein veredelter Avocado geht verpackt nach Samui.
Ein veredelter Avocado geht verpackt nach Samui.

Fünf Tage später erkundigte sich mein Freund, ob denn die Knolle schon abgeschickt worden sei? Der Neffe erkundigte sich bei der Post und die hatte total versagt, das Paket war einfach liegen geblieben! Zwar wurde es dann am nächs­ten Tag endlich ausgeliefert und das teure Porto vollständig zurückerstattet, doch ich bangte um das Wohlergehen meiner seltenen Knolle.

Zwei Tage vor dem geplanten Abflug meines Freundes erkundigte ich mich bei ihm, ob es mit dem Treffen am Flughafen klappe? Ich wollte die Knolle in Bangkok gleich nach der Landung abholen. Doch mein Freund hatte umbuchen müssen, nochmals fünf Tage Verspätung und ein Aufenthalt in Dubai. Und bei seiner neuen Ankunft, war ich fest verplant, konnte nicht zum Flughafen. Mein Freund versprach, die Knolle per EMS zu schicken, wiederum gut eingepackt.

Ende gut, alles gut, zwei Tage nach der Ankunft in Thailand brachte der Pöstler die wertvolle Fracht nach Hause, sie hatte die Odyssee problemlos überstanden und inzwischen sogar gekeimt.

Und inzwischen habe ich auch hier in Thailand eine Quelle für kleinere Titanwurz-Knollen gefunden, so dass der unförmige Riesenpenis eines Tages wohl nicht ganz so einsam sein wird.

Yucca Palmen gut für Balkone

So sieht Weihrauch aus, das Harz wird verwendet.
So sieht Weihrauch aus, das Harz wird verwendet.

Ich werde öfter auch gefragt, ob wir gute Pflanzen für Balkone haben. Da sind zum Beispiel die Yucca-Palmen gut geeignet: Immergrün, anspruchslos, braucht wenig Wasser. Wir haben gerade einem Freund einige auf seine insgesamt drei Balkone gestellt. Ich hatte vor über zehn Jahren eine sehr große und sehr teure Yucca-Palme für meinen Garten gekauft, die 20.000 Baht gekostet hat. Als sie schließlich geblüht hat, habe ich viele Setzlinge gezogen. Und die sind jetzt – über zehn Jahre später – endlich bereit. Andere gute Balkonpflanzen sind unsere gelben Zitronen und die Australischen Flaschenpflanzen.

Wir haben eben auch einen Abmoos-Versuch mit unseren Erdbeerbäumen (Muntingia calabura) gemacht, und die bilden Wurzeln rasend schnell. Somit können wir Mini-Erdbeerbäume ziehen und die wären wohl auch für Balkonien geeignet. Mal sehen.

Mein einziger Weihrauch (Boswellia sacra) – auch ein Geschenk von Rene Stalder – hatte anfangs Mühe und viele Blätter verloren, hat sich aber bestens erholt.

Und meine „Stinkenden Zehen“ (Hymenaea courbaril) aus Kolumbien haben gut gekeimt und sehen prächtig aus. Ob sie wohl stärker stinken als der Titanwurz?

Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957@gmail.com oder besuchen Sie seine Webseite www.discovery-garden.net oder Facebookseite.



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