Neulich, am Strand: Verliebt, verlobt, …

„Na, gibst du einen aus?“, begrüßen wir unseren 4. Kollegen zum allwöchentlichen Kartenspielen. „Schauen wir mal, dann sehen wir schon“, pariert er. „Ach, immer dasselbe. Beim Spielen hast du ja immer Glück. Da müssen wir dauernd zahlen. Ich denke, wir suchen uns ein neues Opfer. Ausgenommen, du hättest weitere Vorzüge.

Dann könnten wir uns das nochmals überlegen“, zieht einer den Neuankömmling auf. „Ja, wenn das so ist, kann ich ja bleiben. Ich habe da nämlich wieder was für euch. Aber es muss unter uns bleiben. Kein Wort nach draußen, keine Namen!“, beschwört er uns. „Na, klar. Wir sind schließlich seriöse Leute. Wir sind so seriös, dass wir für die Umwelt bereits wieder langweilig sind“, frotzelt der zweite in der Runde. „Jetzt kommt sicher wieder eine Story aus der Millionärswelt. Lass mal hören, du Ober-Spitzenmakler. Hast du wieder einmal eine Million von einem Bonzen abgezockt?“, wende ich ein. Der Angesprochene ist als einziger unter uns noch berufstätig. Immobilienmakler. „Wenn du uns schon keine reiche Witwe vermittelst, kannst du uns wenigstens dein Telefonbüchlein abgeben. Wir suchen uns dann schon selber eine Dame aus“, meint wiederum der erste. Der Nachmittag beginnt belustigt. „Was sollte denn unter uns bleiben?“, setze ich nach.

Der Makler des Vertrauens

„Ihr kennt doch alle den C.P. (*) Der Schweizer“, beginnt er. „Ja, klar“, nicken wir zustimmend. „Der kreuzte vor etwa einem halben Jahr bei mir auf. Er suche ein nettes kleines Häuschen. In der Preislage 8 bis 10 Mio. Er wolle heiraten. Seine Thai kenne er nun schon fast 5 Jahre. Da könne kaum mehr was schiefgehen, meinte er. So sei es nun Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen“, fährt er fort. Verständnisvoll hören wir zu. Weiter: „Zuallererst verkaufte er sein 180 qm Condo mit Meerblick für einen Superpreis. Zu seinem Glück über mich“, erzählt der Makler, nicht ohne Stolz. „Zu deinem Glück. So konntest du die Provision einstecken. Also zahl uns schon eine Runde“, lachen wir. „Nein, SEIN Glück. Seine Thai wollte nämlich den Verkaufserlös gleich auf ihr Konto überwiesen haben. Das habe ich ihr dann ausgeredet. Sie war sauer auf mich, aber C.P. dafür erleichtert. Einige Tage später begannen wir Häuser zu besichtigen. Alle Villen in Preislagen, wo ihr Habenichtse nur große Augen machen könnt“, trumpft er auf. Natürlich wissen wir bereits, dass seine Klientel in einer anderen Liga spielt, als wir, arme Schweine. Doch das kümmert uns nicht. Wir hätten auch gar nicht gerne die Probleme, die die Geldsäcke haben. Unsere eigenen Mühen reichen uns vollends. „Bei einer Hausbesichtigung erzählte er mir dann, dass es seine Thai als am besten ansehe, sein Geld auf ihr Konto zu überweisen, da sie als Thai sowieso im Chanot als Eigentümerin eingetragen werden wird. Was ich denn davon halte, wollte er wissen.“ Ein Raunen ging durch die Runde. Einer meint: „Ja, das übliche. Glaubte er denn, seine tue SO ETWAS nicht, mit der Kohle abzuhauen? Und wenn es auch 5 Jahre sind. Da ist doch nur der Preis etwas höher.“ Der Makler bestätigt mit einem Kopfni­cken. Er redet weiter: „Ich sagte ihm, dass er sein Geld gleich abschreiben könne, sollte er das tun. Auch das Haus könne er auf null setzen, wenn der Eintrag auf ihren Namen erfolgen würde. Wenigstens würde er sich damit großen Ärger in den nächsten Jahren sparen, wenn seine Kohle ruckzuck schmerzlos weg ist. Dann hörte ich zwei Monate nichts mehr von ihm. Da rief er mich wieder an und erkundigte sich, ob er denn mit einer Company nicht eine Garantie hätte. Dass dies der bessere Weg für ihn wäre, habe ich ihm dann bestätigt. Also begannen sie wieder Häuser anzuschauen. Doch die Lady hatte bei jedem Objekt Änderungswünsche und Verbesserungen zu monieren. Jede Villa wurde zur miesen Hütte heruntergeredet. Offensichtlich passten ihr meine Ratschläge an C.P. nicht und sie wollte mich loswerden. C.P. aber erkundigte sich immer genauer bei mir über das Prozedere. Und ich gab ihm etliche Tipps. Aber eine Garantie, dass sich in seinem künftigen Haus nicht auch auf einmal 20 Thais einnisten könnten, die er dann nicht mehr rausbekommt, konnte ich ihm auch nicht geben. Da würde er nämlich sein schöns­tes Haus verlassen. Freiwillig. Eher früher als später. Der C.P. war richtig auf den Boden gekommen. Dann hörte ich wieder lange nichts mehr von ihm.“ Gespannt haben wir zugehört. „Na, die Thai wird ihn schon bezirzen“, scherzen wir. „Allerdings, wird es auch für ein Thai nicht einfacher, wenn in einer Company mehrere Ausländer sind. Selbst bei 51 Prozent Thai-Anteil“, gibt einer zu bedenken. „Also, hat er nun gekauft oder nicht?“, will ich wissen. „Ja und nein“, kam als Antwort. „Endlich hatten sie für 4,6 Mio. etwas gefunden. Da eröffnete C.P. seiner Zukünftigen, dass er eine Company, zusammen mit seinem Bruder auf der Ausländerseite, als Käufer eintragen wird. Doch das brachte die so sehr verliebte Lady derart in Rage, dass sie nun letzte Woche bei ihm ausgezogen ist. Ha, ha. Siehst du? Wenn sie nicht gleich an die Hütte rankommt, ist die größte Liebe nix. Gestern rief er mich nun an, dass er nun das Haus auch nicht mehr brauche. Es tue ihm leid. Er war ganz niedergeschlagen.“ „Lady weg, Haustraum futsch. Zurück zum Start“, meinte er. Also, kann ich euch nun nicht zum Freibier einladen. Ich bin genauso ein armer Schlucker, wie ihr“, lacht unser Immobilienheini. „Na, der Glückspilz kann froh sein, wie es ihm ergangen ist“, meint der erste der Runde und setzt hinzu: „Bei mir war es so, dass ich nach der Hochzeitsnacht erfahren habe, dass da noch drei weitere Kinder waren. Und ob derjenige, den ich als Bruder vorgestellt bekommen habe, nicht etwa doch ihr Thai-Lover war, habe ich nie richtig rausbekommen. Auf jeden Fall ist Solo kein schlechtes Lebensmodell.“ „Ok. Dann bring das nächste Mal unseren Schweizer mit. Hoffentlich kann er nicht gut Karten spielen. Wir brauchen ihn ja nur zum Abzocken“, schlagen wir vor. Gelächter und Gaudi. „Ich glaube eher, der zieht euch Nieten über den Tisch!“ Da könnte unser Makler aber Recht haben.

(*) Name der Redaktion auch nicht bekannt

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Leserkommentare

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Songran Raktin 16.10.17 14:55
Juergen Franke - 15.10.2017 - 21.55 Uhr
Herr Franke, sorry fuer den Schreibfehler. Sie haben mich "eiskalt" erwischt. Als Legastheniker ist man eben auf die Rechtschreibhilfe seines Rechners angewisen. Dies ist nun das Ergebnis, wenn man diese Rechtschreibhilfe nach 2 Schwarzwaldbechern mit je 3 Kirschwassern vergisst zu nutzen!!!! Bitte sind Sie doch so nett und sehen ueber meinen Fauxpas hinweg..........Hicks..
Jürgen Franke 15.10.17 22:35
Herr R. Sie meinten sicher kein Gesetz.
Sorry, dass Ihnen auch mal ein Schreibfehler unterlaufen ist.
Songran Raktin 15.10.17 20:10
Leider gibt es noch lein Gesetz, weder in Deutschland noch in Thailand, gegen "vorsaetzliche Dummheit"!!!!!!
Norbert Kurt Leupi 15.10.17 18:10
Verliebt, verlobt...
"Alte Ochsen lieben junge Maiskölbchen .Aber Achtung : die Sprache verrät die Herkunft und das Benehmen die Familie ! Darum entfache nie ein Feuer unter einem leeren Topf " !
Jürgen Franke 15.10.17 14:27
Möglicherweise genießen es einige, sich hier
in Thailand abzocken zu lassen, denn ganz so dumm, wie hier geschildert, kann doch niemand sein. Hauptsache das Geld reicht noch für den Rückflug. Sind aber immer wieder schöne Geschichten zum schmunzeln.