Neues Leben

"Callolo, was ist eigentlich passiert zwischen uns?

Nichts ist mehr wie vorher." "Eigentlich sollte ich dich das fragen, liebe Nai, denn ich habe mich im Gegensatz zu dir kaum verändert. Du bist doch diejenige, die neue Wege einschlägt und alles verändert."

"Callolo, wir werden beide älter. Ich muss auch darauf achten, ohne dich leben zu können." "Heißt das, dass du mich schon abgeschrieben hast?"

Callolo, was redest du?

Ich liebe dich wie am ersten Tag. Aber der Altersunterschied ..." "Schon verstanden, mein Schatz, aber das Testament ist gemacht, also was soll noch groß passieren?"

"Callolo, warum sagst du so etwas?

Du weißt doch, dass ich nur dich liebe." "Ja, manchmal glaube ich das sogar." "Callolo!" "Hör auf mit dem Geseire. Mich interessiert nicht, was du sagst, sondern was du tust." "Callolo, bitte glaube mir, ich war dir immer treu. Wenn ich jetzt einen neuen Job mache, dann ist das doch auch für dich gut." "Liebe Nai, in den letzen vier Wochen habe ich dich gerade mal vier Mal gesehen. Wenn du meinst, das sei ein Zeichen der intensiven Verbindung zwischen uns, dann bin ich ausgesprochen anderer Meinung."

"Mein Gott, Callolo, was können wir uns noch geben?

Wir sind beide alt. Jetzt müssen wir dafür sorgen, unseren Lebensabend hinzukriegen." Ich verlasse diesen Ort der Disputation. Ich setze mich auf die Bank im Garten und lasse den Film der letzten Jahre an mir vorbeirauschen.

Mein Gott! War ich damals nur naiv oder bekloppt?

Nichts ist mehr wie es mal war. Ich halte es nicht mehr aus. Ich muss mit jemand reden.

Kurz entschlossen fahre ich zu meinen Stammtischbrüdern in die Stadt. Sie begrüßen mich mit lautem Hallo. Aber dann ist ihnen wohl aufgefallen, dass mich etwas bedrückt.

"Was ist los mit dir, Carolus?

Du siehst aus, als ob eine Laus über deine Leber gelaufen wäre." "Schlimmer noch", setzt Jens nach, "als ob du seit Tagen kein Bier mehr bekommen hättest." Ich verstehe den Wink, bestelle eine Runde und erzähle von meinen Schwierigkeiten mit Nai.

Sie hören sich meine Geschichte kommentarlos an. Als ich endlich zum Schluss komme, meint Oliver: "Na, dann bist du ja endlich in der Wirklichkeit angekommen."

Ich schaue ihn verdutzt an: "Was soll das denn heißen?"

"Carlos, eure Affenliebe war doch gar nicht normal: Die Herzallerliebste hier, der Schatz da, und dann umgekehrt, so etwas gibt es im wirklichen Leben doch gar nicht."

"Bei mir, ich meine bei uns, gab es das schon." "Dann war es wohl höchste Zeit, dass auch bei euch endlich normale Verhältnisse eintreten." "Soll das heißen, was ich zurzeit erlebe ist normal?" "Klar, ich erzähle dir mal, was ich heute mit meiner Tussi erlebt habe."

Nacheinander berichtete jeder, was er in jüngster Zeit mit seiner Frau durchgemacht hatte. Das war nichts Erfreuliches. Aber mir tat es gut, zu erfahren, dass ich mit meinen Problemen nicht allein war. "Freue dich, dass es bei dir solange gut ging", beendet Jens seine Story, "bei uns war schon nach dem ersten Honeymoon tote Hose."

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Leserkommentare

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Ummi 08.03.13 02:56
Das ist in der Tat ganz normal. Antoine de Saint-Exupéry sagte einmal: "Liebe bedeutet nicht, einander anzuschauen, sondern zusammen auf ein gemeinsames Ziel schauen". Wichtig ist nicht, dass man einander anhimmelt, sondern dass man als Team zusammenarbeiten kann. Wenn es daran hapert, ist es natürlich schlecht. Aber sich wegen beruflicher Tätigkeiten längere Zeit nicht zu sehen, ist nicht unbedingt ein Zeichen von einer Verschlechterung der Beziehung. Wenn der andere das auch für einen selbst macht...