Nach Neymar-Wechsel: FIFPro fordert Überprüfung der Transferregeln

Foto: epa/Christophe Petit Tesson
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NYON/PARIS (dpa) - Wie viel darf ein Fußballspieler kosten? Für den brasilianischen Profi Neymar hat Paris Saint-Germain die Rekordsumme von 222 Millionen Euro hingeblättert. Darum ist eine lebhafte Diskussion entbrannt.

Nach dem Rekordtransfer von Fußball-Superstar Neymar zu Paris Saint-Germain hat die Spielergewerkschaft FIFPro von der EU-Kommission eine Überprüfung der Transferregeln gefordert. «FIFPro bittet die Europäische Kommission um eine umfassende Untersuchung der Transferregeln aus dem Jahr 2001, die nun dringend geprüft werden müssen», sagte FIFPro-Generalsekretär Theo van Seggelen laut einer Mitteilung vom Freitag. Die Kommission müsse den Geldfluss von Transfergebühren in der EU untersuchen und ihren Einfluss bewerten.

Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte, dazu liege der Behörde bereits eine Beschwerde vor, die wie alle Beschwerden geprüft werde. Ob es zu einer förmlichen Untersuchung kommt, ist aber unklar.

Der brasilianische Nationalspieler Neymar war für die Rekordsumme von 222 Millionen Euro vom spanischen Club FC Barcelona nach Paris gewechselt. Der Wechsel ist nach Ansicht von FIFPro «das jüngste Beispiel dafür, wie der Fußball immer mehr zur Domäne einer ausgewählten Gruppe reicher, meist europäischer Clubs» wird. «Eine Reform der bisherigen Transferregeln anzuregen, ist eine Priorität von FIFPro, um die Rechte von Spielern als Arbeitnehmer und die Interessen des Spiels zu schützen», sagte van Seggelen.

Der «überhöhte und verzerrte Markt» und die eskalierenden Summen hätten die Balance des Wettbewerbs zerstört. «Die Transferregeln der FIFA sind wettbewerbsfeindlich, ungerecht und illegal», kritisierte van Seggelen. Der «Wahnsinn des Transfermarktes» müsse zum Wohle des Spiels, aller Spieler, der Vereine und der Fans beendet werden.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin wiederum hat sich für eine größere finanzielle Ausgeglichenheit im europäischen Fußball und gegen Steuerprivilegien für Profis in bestimmten Ländern ausgesprochen. Die Europäische Fußball-Union prüfe derzeit «verschiedene konkrete Maßnahmen», die für eine größere sportliche Balance sorgen sollen, schrieb Ceferin in einem Brief an den Linken-Europaabgeordneten Fabio De Masi, den dieser auf seiner Internetseite veröffentlichte. «Nicht zuletzt seit wir festgestellt haben, dass die Kräfte des Markts dieses Ergebnis alleine nicht erreichen.» Die «Süddeutsche Zeitung» (Freitag) berichtete zuerst darüber.

Der Fußball müsse Wege finden, um mehr Transparenz zu schaffen, schrieb Ceferin weiter. Allerdings seien «nationale Steuersysteme außerhalb des Einflusses der UEFA».

Dies wertet De Masi als Aufforderung des Kontinentalverbands an die EU-Kommission, sich im Fußball «aktiv für mehr Fair Play in der Steuerpolitik» einzusetzen, wie er der «SZ» sagte. In seinem Brief lobte Ceferin, dass die Kommission mehrmals gegen steuerliche Bevorzugung im Sportsektor vorgegangen sei, «besonders in Bezug auf einige spanische Proficlubs».

Steuerpolitik ist in der Europäischen Union Sache der nationalen Regierungen. Allerdings wacht die EU-Kommission darüber, dass Unternehmen nicht von unerlaubten Staatsbeihilfen profitieren - diese können auch die Form von Steuervorteilen haben.

In der Vergangenheit hatten spanische Vereine durch niedrige Einkommenssteuersätze für Profifußballer, die aus dem Ausland verpflichtet wurden, Vorteile auf dem Transfermarkt. Diese Privilegien gibt es inzwischen nicht mehr.

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