Momente, die die Welt verändern

Solche Momente ziehen sich durch die Geschichte unserer Welt, seien es Pestilenzen, Naturgewalten, Erfindungen oder etwa der letzte Weltkrieg mit dem verbrecherischen Holocaust.

Ich bin davon überzeugt, dass wir gerade wieder solch einen Moment miterleben. Nur wie die Nachwelt dieses Ereignis einmal einordnen wird, vermag ich nicht vorauszusagen.

Wenn Millionen Menschen ihr Land verlassen, weil Krieg, Armut oder Hunger sie dazu zwingen, wie nennt man das? Völkerwanderung? Wohin? In Länder, denen es bessergeht, die sie aber nicht alle aufnehmen wollen oder können. Die sich vielleicht darüber entzweien und Gemeinsamkeiten, an denen sie viele Jahre gearbeitet haben, aufgeben, verlassen, einfach verloren gehen lassen? Aber gerade jetzt angesichts der politischen Verhältnisse in den USA müsste die EU umso fester zusammenstehen.

Wer in die Geschichtsbücher schaut, erkennt schnell, dass nichts von Bestand ist. Wo einst Meer war, ist heute Wüste, wo einst riesige Ursaurier lebten, kann man heute ihre Skelette in Museen bestaunen.

Aber die meisten Menschen wollen, dass alles beim Alten bleibt oder besser wird. Schon gar nicht neigen sie in der Mehrzahl zum Teilen. Und der Deutsche, der seiner Kanzlerin immer wieder seine Stimme gab, fragt sich: Schaffen wir es noch einmal? Sogar in der eigenen Partei trifft die Kanzlerin auf Widerstand.

Europa ist sich nicht mehr einig. Wo noch vor Jahren „die Vereinigten Staaten von Europa“ die Träume vieler zukunftsgläubiger Menschen beherrschten (auch meine), sind Eigeninteressen und Ängste getreten. Und wo Parolen nicht mehr weiterhelfen, werden Flüchtlingsheime abgefackelt. Die Welt erlebt ein ungeheures Drama, tut aber so, als wäre es ein lokales Ereignis und wendet ihre Aufmerksamkeit scheinbar wichtigeren Dingen zu. So wie wir heute ungläubig über Folterungen und Hexenverbrennungen im Mittelalter lesen (Müssen wir soweit zurückgehen? Guantanamo dürfte doch ausreichen), werden unsere Enkel und Urenkel vielleicht eines Tages fragen: Wie war es im 21. Jahrhundert möglich, dass Tausende auf der Flucht im Meer ertranken, weil zu wenige dazu bereit waren, sie zu retten oder aufzunehmen, warum sind sie an Grenzen und Stacheldrähten verhungert oder verdurstet? Die Welt ist gespalten. Eine Minderheit schreit laut ihre Hetzparolen heraus, während die Mehrheit weitgehend schweigend zuschaut. Die letzten Landtagswahlen haben gezeigt, dass auch der neue Messias der SPD keine Wunder vollbringen kann. Die Wähler sind verunsichert. Sie wollen keine Fremden in ihrer Nähe, obwohl viele von ihnen nach dem letzten Krieg selbst Flüchtlinge und Fremde waren. Sie haben Angst vor Kriminalität und vor Verlusten, und sie wollen nichts abgeben von dem was sie haben, führen eine Neiddiskussion und vermissen Gerechtigkeit. Ich halte das sogar für nachvollziehbar. Nicht jeder ist ein Samariter, auch wenn er sonntags brav in die Kirche geht. Das Hemd ist den meisten näher als die Hose.

Momente, die die Welt verändern sind selten und werden oft auch erst viele Jahre später als solche erkannt, wie beispielsweise die Kernspaltung oder die Erfindung des Internet. Die letzten Landtagswahlen gehörten sicher nicht dazu. Die AfD muss in Zukunft aber beweisen, ob sie auch zu Problemlösungen beitragen oder nur protestieren kann. Tatsache ist: Deutschland ist ein überaltertes Land. Wir brauchen Zuwanderung, weil wir selbst nicht genug Nachwuchs zeugen. Außerdem brauchen wir dringend Facharbeiter für unsere Industrie, wenn wir wollen, dass Deutschland auch in Zukunft an der Spitze der Exportnationen mitspielt. Bis die allerdings ausgebildet sind, werden noch einige Jahre ins Land gehen.

Wenn es in jüngster Zeit Momente gab, die zu entscheidenden Veränderungen geführt haben, dann war es das Dreifach-Unglück von Fukushima, das zumindest in Deutschland zu der Entscheidung führte, aus der Atomindustrie auszusteigen. Ob diese Entscheidung darüberhinausgehende Folgen hat, lässt sich heute noch nicht absehen. Die Schweiz hat sich in einer Volksentscheidung gerade dagegen ausgesprochen, wenn auch nur halbherzig. Und während ein Großteil der Atommächte nicht mehr weiß, wohin mit dem Atommüll, der noch Jahrtausende strahlen wird, hat sich Japan entschlossen - gegen den Willen der Mehrheit - seine Atomkraftwerke wieder anzuwerfen. Und wie zu hören ist, spielt auch Thailand mit ähnlichen Plänen, obwohl dieses Land über so viel Sonne und Wind verfügt, dass es allein mit diesen Kräften seine Bevölkerung ausreichend mit Strom versorgen könnte.

Ich hätte nichts gegen weitere Momente, die die Welt verändern, aber ich fürchte, am Ende werden sie die Welt nicht besser machen, sondern zerstören.

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Leserkommentare

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Martin Berger 18.06.17 15:30
Momente...
Ja, es kommt einiges auf uns zu, bzw. ist schon Realitaet. Und ich fuerchte, die Politik haengt wie ueblich hinterher. Industrie 4.0, eine Dimension, die wahrscheinlich noch kein Einziger richtig ueberblicken kann, aber sie ist schon voll im Gange. Es wird unsere Gesellschaft fundamental veraendern, aber wie??? Wir werden all die Menschen, die nicht ins System passen, nicht alle so umschulen koennen, dass ein jeder wieder Arbeit hat. Der bekannte Philisoph David Precht hat einen bemerkenswerten Artikel dazu verfasst und sagt voraus, dass es kuenftig ohne das schon oft diskutierte Bedingungslose Grundeinkommen nicht mehr funktionieren wird. Und ich glaube er hat recht. Aber die Politik scheint das Ganze noch nicht verinnerlicht zu haben und die Industrie wird die Politik wieder vor sich hertreiben und Tatsachen schaffen. Und das Thema Fluechtlinge?? Mir fehlt ,wie so oft die Differenzierung dabei. Es gibt ein Recht auf Asyl, ja, richtig so, denn die Deutschen wren auch vertriebene nach dem Krieg, sollt sich jeder mal dran erinnern. Aber es gibt kein generelles Recht auf besseres Leben, nach dem Motto, wenn meine korrupte Regierung nichts tut, geh ich dahin, wo "Milch und Honig fliessen". Wir brauchen Zuwanderung, aber was da passiert ist, war keine normale Zuwanderung, sondern der rein menschlich verstaendliche Versuch vieler armer Leute , ein besseres Leben zu finen. Man fuehlte sich ja eingeladen. Aber es reicht eben auch nicht, hurra zu rufen und Teddybaeren zu werfen.
Theo Kleine 18.06.17 13:30
Die Ursachen der Flüchtlingsströme waren bekannt
Merkel hat mehrfach während der Eurokrise öffentlich im Fernsehen vor den bevorstehenden Flüchtlingsströmen als viel größerer Krise gewarnt um von der Eurokrise abzulenken. Nur getan hat sie überhaupt nichts. Noch nicht einmal als die Tagesration pro Person auf 1,50 € in den UNHCR Lagern gesenkt wurde und damit den Startschuss für den Exodus gegeben hat. Heute kostet ein unbegleiteter Jugendlicher 6500 € im Monat in Berlin und alle zusammen 210 Millionen im Jahr. Eine menschenwürdige Unterbringung mit und innerhalb der Familie , Beschulung in der Landessprache und Verpflegung in Camps nahe den Kriegsregionen wäre für ein Zehntel der Kosten leicht großzügig möglich und sicher und attraktiv für jeden Kriegsflüchtling aus den Kriegsgebieten gewesen ohne sich kriminellen Schleppern anvertrauen zu müssen und als illegaler Migrant widerrechtlich Asyl zu beantragen, wo nur subsidiärer Schutz für Kriegsflüchtlinge zu erhalten ist selbstverständlich ohne dauerhaftes Bleiberecht. Adenauer Brandt Schmidt und Kohl hätten nie gegenüber kriminellen Schlepperbanden kapituliert mit totalen Kontrollverlust über die Grenzen Deutschlands und der EU und des Schengen Raumes. Deutschland wird eben nicht am Hindukusch verteidigt. Mit Nägelkauen und narzisstischer Beratungsresistenz hat Frau Merkel auch selbst nichts dazu getan, um die Balkanroute zu schließen, sondern hat ein totales Regierungs Versagen demonstriert, mit dessen Rechts Brüchen sie in den USA einem impeachment unterlegen wäre.