MH370-Suche wird bald unterbrochen - Angehörige: «nicht aufgeben»

Angehörige der Passagiere des verschwundenen Fluges MH-370 haben empört auf die Entscheidung reagiert, dass die Suche «unterbrochen» werden soll. Foto: epa/Fazry Ismail
Angehörige der Passagiere des verschwundenen Fluges MH-370 haben empört auf die Entscheidung reagiert, dass die Suche «unterbrochen» werden soll. Foto: epa/Fazry Ismail

KUALA LUMPUR (dpa) - Fast zwei Jahre erfolglose Suche nach MH370. Die Angehörigen der Insassen quälen dieselben Fragen wie am ersten Tag. Was ist an Bord passiert? Die Regierungen fahren die Suche runter, aber die Angehörigen haben andere Pläne.

Die millionenteure Suche nach dem MH370-Wrack wird bis auf weiteres unterbrochen, wenn sie in den nächsten Wochen kein Ergebnis bringt. «Trotz der größten Anstrengungen aller Beteiligten sinkt die Wahrscheinlichkeit, das Flugzeug zu finden», hielten Minister der beteiligten Länder Malaysia, China und Australien am Freitag in Kuala Lumpur fest. Sollte es neue glaubhafte Erkenntnisse über einen möglichen Fundort der 2014 verschwundenen Maschine geben, werde über die nächsten Schritte erneut nachgedacht.

Die Angehörigen der 239 Insassen waren dennoch empört. «Sie hatten uns versprochen, dass die Suche nicht endet, nicht ausgesetzt wird - und dass sie nicht aufgeben werden», sagte Cui Limang, die Mutter eines Passagiers, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Peking. «Sie stellen die Suche ein und haben keine Ahnung, wann es weitergehen soll. Was soll das?» sagte Ning Jing, dessen Frau an Bord war.

Die Minister wiederholten nur das, was sie schon vor Monaten beschlossen hatten: ohne neue Beweise, die auf einen spezifischen Fundort hinweisen, werde das Suchgebiet nicht ausgeweitet.

«Sie müssen ihr Versprechen halten und suchen, bis das Flugzeug gefunden ist», sagte Grace Nathan, deren Mutter an Bord war, der dpa. «Die Menschen an Bord sind noch nicht heimgekommen, wir können nicht so einfach aufgeben», schrieb Jacquita Gonzales, die Frau von Chefsteward Patrick Gomes, auf der Facebook-Seite der Angehörigen. Sie versuchen, Geld für die Fortsetzung der Suche aufzutreiben, etwa vom Flugzeughersteller Boeing oder Zulieferfirmen. Sie haben auch eine Petition gestartet, um Spendengelder einzutreiben.

Bis heute ist völlig unklar, was sich damals an Bord abgespielt hat. Die Maschine wich am 8. März 2014 eine Stunde nach dem Start in Kuala Lumpur vom Kurs nach Peking ab. Ob jemand ins Cockpit eindrang, ein Pilot die Maschine umlenkte oder eine technische Katastrophe die Piloten außer Gefecht setzte - niemand weiß es. Darüber könnten nur das Wrack oder die Flugschreiber Auskunft geben. Satelliten fingen Signale auf, die nahelegen, dass die Maschine noch sieben Stunden Richtung Süden flog. Wahrscheinlich stürzte sie, als der Treibstoff ausging, im Indischen Ozean westlich von Australien ab.

Dort suchen seit fast zwei Jahren Spezialschiffe den zerklüfteten Meeresboden 6000 Meter unter der Wasseroberfläche ab. Das Suchgebiet ist 120 000 Quadratkilometer groß, etwa so wie Österreich und die Schweiz zusammen, und nach Auskunft eines Experten ähnlich gebirgig. Die Suche sollte im Juli abgeschlossen sein, schlechtes Wetter hat das Vorgehen in einer der unwirtlichsten Meeresregionen der Welt aber um mindestens sechs bis acht Wochen zurückgeworfen.

Bislang sind nur Trümmerteile an Küsten im südlichen Afrika angespült worden. Experten haben einige mit großer Wahrscheinlichkeit als Teile von Flug MH370 identifiziert. Der Chinese Li Eryou (59), dessen Sohn an Bord war, will das nicht wahrhaben. «Ich glaube nicht, dass die angeblich gefundenen Trümmer tatsächlich zur MH370 gehören. Die Wahrheit soll verschleiert werden.» Er geht von einer Verschwörung und pocht auf Fortsetzung der Suche.

Die Suche hat bislang 180 Millionen australische Dollar (122 Mio Euro) gekostet. Die Hälfte davon trug Australien, weil das Land für Such- und Rettungsmissionen in dem vermuteten Absturzgebiet zuständig ist. Den Rest zahlten Malaysia als Heimatland der Airline und China als Heimatland der meisten Passagiere.

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Leserkommentare

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Walter Breymann 23.07.16 15:46
Keine Regierung will die Karten offenlegen.
Warum bemüht man sich nicht zuerst auf die Klärung der offenen Fragen. Dann kann man sicherlich eher nachvollziehen, was mit dem Flugzeug passiert ist. Hier sind nur einige wenige: Welches Flugzeug haben die acht Zeugen auf den Südmalediven im Tiefflug gesehen, wenn es nicht die MH 370 gewesen sein darf? Warum hat Inmarsat die Ping-Daten erst nach 2 Monaten veröffentlicht? Mussten diese evtl. "bearbeitet" werden? Warum verlangt Malaysia keine Einsicht in die Radardaten des satellitengestützten und sehr weit reichenden Radars der U.S. Streitkräfte auf D.G.? Wollen die U.S. uns weis machen, sie hätten das Flugzeug, das ja nun fernab von allen üblichen Routen flog, nicht gesehen? Ich gehe mal davon aus, dass hier die Weltöffentlichkeit absichtlich hinters Licht geführt wird. Googelt man nach dem Namen Dugain, wird diese Ansicht noch unterstützt..