Kurz gefragt: Rechtsanwältin Thanawan Beer

SURIN: Frau Thanawan Beer betreibt eine Kanzlei in Surin im Nordosten des Landes, mit dem Schwerpunkt auf Rechtsberatung, Lebensbestätigungen und notarielle Beglaubigungen. Die Rechtsanwältin absolvierte ihr Studium an der renommierten Ramkhamhaeng-Universität in Bangkok, gefolgt von einem Germanistik-Studium, weshalb sie sich auf Mandanten aus den deutschsprachigen Ländern spezialisiert hat.

Frau Beer, was sind Ihre Fachgebiete?

Meine Fachgebiete sind sowohl Familien- als auch Zivil- und Strafrecht.

Was stellen die häufigsten Anliegen Ihrer Mandanten dar?

Die meisten Anliegen meiner Kunden sind nicht so kompliziert, was daran liegen mag, dass Surin eine kleine Stadt ist. Zumeist sind es deutschsprachige Rentner, die meine Dienstleistungen bei Visa- und Testamentsfragen aber auch für Lebensbestätigungen in Anspruch nehmen. Besonders die Regelung des Erbes ist ein sehr wichtiges Thema. Hier in der Provinz leben viele Schweizer und Deutsche, für die es unverzichtbar ist, ein Testament zu verfassen, um ihre Familien oder auch Lebenspartner im Ernstfall finanziell abzusichern. Denn, wenn kein Testament vorliegt, wird das Vermögen vom Staat eingezogen. Auch bei Fragen rund um die Beantragung des gelben Hausbuchs (gelbes Tabien Baan) bin ich gerne behilflich.

Welchen Nutzen hat das gelbe Hausbuch?

Das gelbe Tabien Baan wird für in Thailand lebende Ausländer bei der Bezirksverwaltung ausgestellt und ist identisch mit dem blauen Hausbuch für thailändische Staatsbürger. Das in thailändischer Sprache formulierte Identitätsdokument erspart bei Behördengängen die Beschaffung einer Wohnsitzbestätigung von der Immigration, im Gegensatz zu dieser, ist es darüber hinaus nicht nur 30 Tage gültig, sondern für immer. Auch wird der Gerichtsstand mit dem gelben Hausbuch eindeutig festgelegt. Da viele ausländische Residenten über keine oder nur geringe Thai-Kenntnisse verfügen, übernehme ich für sie die behördlichen Anliegen, wie zum Beispiel die Beantragung des gelben Hausbuches, da die meisten Beamten kein Englisch sprechen.

Können Sie bei ausländischen Residenten wiederkehrende Probleme beobachten?

Ja, viele kennen sich nicht mit den gesetzlichen Auflagen aus, die es zu befolgen gilt, wenn man als Ausländer hier leben möchte. Als Beispiele sind zum einen die Meldepflicht bei der Immigration zu nennen, zum anderen Fragen rund ums Visum. Besonders bei Visa-Angelegenheiten, ändern sich die Auflagen recht schnell. Da ich im ständigen und engen Kontakt mit der Einwanderungsbehörde stehe, kann ich Visa-Beantragungen schnell und effizient abwickeln.

Sie vertreten Ihre Klienten auch in strafrechtlichen Fällen. Geraten Ausländer oft in die Mühlen der Justiz?

Nein, in Surin ist das eher die Seltenheit. Es gibt jedoch Nachbarschaftsstreitigkeiten, die recht schnell strafrechtliche Konsequenzen haben können. Denn viele Ausländer wissen nicht, dass wenn sie auch nur einen Schritt in die Tür ihres Nachbarn ohne dessen Willen setzen, sie strafrechtlich belangt werden können. Ebenfalls bei der Entwendung eines Gegenstandes vom Nachbargrundstück, selbst wenn keine Intention zum Diebstahl vorlag. Besonders beim Vordringen auf fremde Grundstücke zu nächtlicher Stunde, gilt ein sehr hohes Strafmaß, es drohen bis zu fünf Jahre Haft. Wer in Thailand einmal strafrechtlich belangt wurde, sprich im Gefängnis war, bekommt nie wieder ein Visum.

Was sind die häufigsten Problemfälle bei thailändisch-ausländischen Beziehungen?

Wenn Besitztümer, wie zum Beispiel ein Haus, auf den Namen der thailändischen Partnerin überschrieben wurden, kommt es bei Scheidungen häufig zum Problemfall. Ich finde es sehr traurig, wenn sich ein Ausländer für den Lebensabend in Thailand entschieden hat, aber im Scheidungsfall alles verliert. Deshalb rate ich Ausländern, sich bereits im Vorfeld abzusichern und die Dienste eines Anwalts in Anspruch zu nehmen, um einen Familienvertrag aufzusetzen, damit im Ernstfall, wenn die Liebe in die Brüche geht, nicht alles verloren ist. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die thailändische Partnerin damit einverstanden ist. Doch auch für allgemeine Beziehungsprobleme habe ich stets ein offenes Ohr.

Das klingt interessant…

In vielen Thai-Farang-Beziehungen mangelt es an Kommunikation und Verständnis für die kulturellen Eigenheiten. So können viele Ausländer nicht den hohen Stellenwert der Familie ihrer Thai-Partnerin verstehen, was häufig zu Problemen führt. Da ich beide Kulturen gut kenne, bin ich gerne als Vermittlerin behilflich, um Verständnis auf beiden Seiten zu schaffen.

Sie studieren nebenbei noch Steuerrecht. Bieten Sie auch buchhalterische Dienstleis­tungen an?

Ja, Ausländern, die in Thailand ein Unternehmen haben, stehe ich zukünftig auch in steuerrechtlichen Angelegenheiten und bei der Buchhaltung zur Seite. Die Gründung einer Company hingegen, biete ich bereits jetzt an.

Weshalb haben Sie sich entschieden, Rechtsanwältin zu werden?

Ich bin mit einem Schweizer verheiratet, der sich regelmäßig mit seinen Freunden zum Stammtisch traf. Dort wurden oft Gesetzesänderungen oder -neuerungen diskutiert und viele fragten mich dann, ob ich ihnen dazu Auskunft erteilen könnte, schließlich sei ich ja Thai und spreche auch noch Deutsch. Da ich einen sehr neugierigen Charakter habe, wuchs aufgrund der vielen Fragen von Ausländern mein Interesse am thailändischen Rechtswesen, weshalb ich mich schließlich entschloss, Jura zu studieren.

Was bereitet Ihnen Freude, an Ihrem Beruf?

Dass ich genau weiß, in welchen Fällen ich Ausländern helfen kann, da ich die Gesetzestexte kenne. Auch macht es mir großen Spaß, aufgrund meiner Sprachkenntnisse verstehen zu können, was Ausländer in Thailand beschäftigt.

Rechtsanwältin Thanawan Beer

28/15 Lak Mueang Road

A. Mueang 32000 Surin

+66 (0)94-519.6645

tbanwaeltin@gmail.com

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.