Hoffen auf die Winterspiele 2026

Drei Bewerber aus Europa

Foto: epa/Gabriel Monnet
Foto: epa/Gabriel Monnet

FRANKFURT/MAIN (dpa) - Für die Interessenten an den Olympischen Winterspielen 2026 läuft am Samstag die Bewerbungsfrist ab. Schladming/Graz, Stockholm und Sion wollen ins Rennen gehen und die Spiele auf Eis und Schnee wieder nach Europa holen. Konkurrenten sind Calgary und Sapporo.

Europa kann auf die Rückkehr der Olympischen Winterspiele 2026 in eine der Traditionsregionen für Ski- und Eissport hoffen. Schladming/Graz, Stockholm und Sion müssen ebenso wie die beiden Konkurrenten Calgary und Sapporo bis Samstag offiziell ihr Interesse beim Internationalen Olympischen Komitee anmelden. Danach wird das IOC im Dialog mit den Städten ausloten, ob sie als Kandidaten ins Rennen gehen wollen. Gewählt wird der Gastgeber der Winterspiele 2026 im September 2019 auf der IOC-Session.

IOC-Präsident Thomas Bach selbst hat die Zeit der Experimente und Wintersport-Entwicklungshilfe nach den Spiele-Vergaben an Sotschi 2014, Pyeongchang 2018 und Peking 2022 vorerst für beendet erklärt. «Es ist an der Zeit, wieder zurück in traditionelle Wintersportländer zu gehen», betonte er bei seinem Besuch beim Ski-Weltcupfinale im schwedischen Are, um Stockholms Interesse zu unterstützen.

Schweden habe alles, um der ideale Olympia-Gastgeber sein zu können. «Es hat die Möglichkeiten, die Erfahrungen und den Enthusiasmus», sagte Bach. 2019 werden gleich zwei Weltmeisterschaften in Schweden ausgetragen: die alpine WM in Are und die der Biathleten in Östersund. «Die Schweden müssen nichts mehr beweisen», meinte Bach.

Nach den vielen Rückziehern von Olympia-Anwärtern für Sommer- und Winterspiele - zu denen München (2022) und Hamburg (2026) gehörten - hat das IOC das Bewerbungsverfahren entschlackt. Damit sollen die Spiele günstiger und auf die Bedürfnisse der Städte zugeschnitten werden. Kann damit die Bevölkerung für Olympia gewonnen werden?

In Sion, der Stadt im Schweizer Kanton Wallis, blicken die Olympia-Initiatoren und -kritiker gespannt auf den 10. Juni. Bei einer Volksbefragung soll entschieden werden, ob die Walliser für oder gegen die Kandidatur sind. Rosig sind die Aussichten nicht: In der Schweiz sind nach einer repräsentativen Umfrage von Februar 59 Prozent gegen eine Bewerbung.

Überzeugen will Sion mit einem Nachhaltigkeitskonzept. Danach soll nichts neu gebaut werden. Außerdem gibt es Überlegungen, die Eisschnelllauf-Wettbewerbe in die Niederlande oder nach Deutschland auszulagern. Die Kosten für die erste Schweizer Olympia-Ausrichtung seit den Winterspielen 1948 in St. Moritz schätzt das Sportministerium auf 2,4 Milliarden Franken (rund zwei Milliarden Euro).

Auch die Ankündigung von Graz und Schladming, 52 Jahre nach Innsbruck die Winterspiele ins Land zu holen, löste politische Debatten und Kritik von der Opposition an den Kosten aus. Rund 416 Millionen Euro werden - ohne Aufwendungen für Sicherheit - veranschlagt.

Das Bundesland Steiermark und die Stadt Graz haben wegen großer Schulden kaum finanziellen Spielraum. Bob und Rodeln sollen deshalb im bayerischen Schönau am Königsee, Eisschnelllauf in Inzell ausgetragen werden. In Erinnerung ist zudem, dass im Oktober 2017 die Bevölkerung in Tirol bei einer Volksbefragung eine Bewerbung von Innsbruck und des Bundeslandes für 2026 mit 53 Prozent abgelehnt hatte.

Unterschiedlich ist die Olympia-Begeisterung bei den Herausforderern aus Übersee. Seit dem Ausscheiden der US-Städte Salt Lake City und Denver sind die Chancen für das kanadische Calgary gestiegen, zum zweiten Mal nach 1988 den Zuschlag für Winterspiele zu erhalten. Erste Umfragen haben zudem gezeigt, dass zwei Drittel der Bewohner Calgarys die Idee unterstützen; nur acht Prozent der Befragten lehnen die Bewerbung ab.

Die meisten Bauten von 1988 müssten nur modernisiert werden, versicherte das Bewerbungs-Projektteam auf der Webseite der Stadt. Dennoch gehen die Kanadier laut einem im Juli 2017 veröffentlichten Report von 4,6 Milliarden Dollar Kosten und nur 2,2 Milliarden Dollar Einnahmen vor staatlicher Unterstützung aus.

Große Begeisterung für die Winterspiele-Bewerbung von Sapporo gibt es weder bei der japanischen Regierung in Tokio, wo 2020 die Sommerspiele ausgetragen werden, noch bei der örtlichen Bevölkerung. Nicht sonderlich förderlich für die Zustimmung der Bewohner für eine zweite Olympia-Ausrichtung nach 1972 sind zudem japanische Medienberichte, denen zufolge Nagano - 1998 Gastgeber der Winterspiele - auf hohen Kosten und heruntergekommenen Wettkampfstätten sitzen blieb.

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Leserkommentare

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Jürgen Franke 29.03.18 23:10
Es ist sehr bedauerlich für die betroffenen
Sportler, dass die olympische Idee heute Ausmaße angenommen hat, die nicht mehr finanzierbar sind und nur noch bei ein paar Funktionären Fürsprecher hat.
Jack Norbert Kurt Leupi 29.03.18 19:20
Kosten / Herr R.Schnüriger
Exzellent und auf den Punkt gebracht , Ihr Kommentar ! Hoffen wir sehr , dass das Stimmvolk " Helvetiens " die Angelegenheit auch so sieht und die " Walliser Spiele " in der Rhone bachab schickt und die Erbschleicher vom IOC leer ausgehen !
René Schnüriger 29.03.18 16:20
Kosten!?
Allein schon die höchst unterschiedlichen Kostenschätzungen lassen einen aufhorchen. Sion 2 Milliarden Euro, Graz und Schladming 416 Millionen Euro ohne Sicherheit, Calgary 2.4 Milliarden CAD (ca. 1.5 Milliarden Euro). Entweder schätzen die Einen verantwortungslos tief, oder die Anderen verfallen einmal mehr in Gigantismus. Dieser hat schon ganze Länder und Regionen in den Ruin getrieben (Griechenland, Rio de Janeiro, Haute-Savoie, um nur die herausragendsten zu nennen). Zudem bereichern sich IOC und FIFA weit über Gebühr an ihren Grossanlässen. Wenn nicht endlich eine Abkehr vom praktizierten Grössenwahn stattfindet, ist es nur richtig und nicht verwunderlich, dass sich die meisten Volksentscheide gegen die praktizierte Geldvernichtung richten.