Grippeimpfung auch für Kinder?

Foto: epa/ Lukas Schulze
Foto: epa/ Lukas Schulze

RIGA (dpa) - Mit der kalten Jahreszeit beginnt wieder die Grippesaison. Zum Schutz vor einer Ansteckung wird eine Grippeimpfung standardmäßig für ältere Menschen und chronisch Kranke empfohlen. Doch auch für Kinder kann sie angebracht und sinnvoll sein, wie der finnische Grippeforscher Timo Vesikari von der Universität Tampere der Deutschen Presse-Agentur dpa am Rande einer internationalen Grippekonferenz in Riga erklärte. Das Robert Koch-Institut in Berlin sieht keinen Anlass, von derzeitigen Impfempfehlungen abzuweichen.

«Kinder sind in besonderem Maße von der Grippe betroffen. Deshalb ist es wichtig, sie zu impfen», sagte Vesikari. Nur so könnten sie vor verschiedenen möglichen Komplikationen geschützt werden. Zudem würden damit auch andere Personengruppen geschützt. «Kinder sind die Hauptüberträger des Virus innerhalb der Gesellschaft», sagte Vesikari.

Der Wissenschaftler stellte auf der Konferenz in Riga das Ergebnis einer Studie mit gut 10.000 Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren vor. Davon bekam eine Hälfte einen herkömmlichen Impfstoff und die andere einen Impfstoff mit dem Adjuvans (Wirkverstärker) MF59 verabreicht. «Das Ergebnis war, kurz gesagt, dass der adjuvantierte Impfstoff für die Altersgruppe 6 bis 24 Monate besser war. Für ältere Kinder ergab er jedoch keinen zusätzlichen Vorteil», sagte Vesikari über die von ihm gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Finnland, den USA, den Philippinen und des Impfstoffherstellers Seqirus durchgeführten Studie.

Die sogenannte Phase-III-Studie wurde während der Grippesaison 2013/2014 und 2014/2015 in neun Ländern durchgeführt. Dabei zeigten beide Impfstoffe ein ähnliches Sicherheitsprofil. Für die Kleinkinder zeigte das Vakzin mit Verstärker den Ergebnissen zufolge aber eine höhere Wirksamkeit.

«Wir waren vom Ergebnis etwas enttäuscht: Der adjuvantierte Impfstoff zeigt gegenüber herkömmlichen Impfstoffen keinen Vorteil bei Kindern, die älter als zwei Jahre sind», erläutert Gerhard Falkenhorst vom Robert Koch-Institut, das im Auftrag der Bundesregierung insbesondere Infektionskrankheiten erforscht und bekämpft. Im Grunde treffe die Studie sogar nur für das Influenza A/H3N2-Virus eine belastbare Aussage. Andere Influenzaviren seien während der Studiendauer so selten aufgetreten, dass man nicht beurteilen könne, ob der neue Impfstoff auch bei ihnen Vorteile bietet.

Grippe-Schutzimpfungen für Kinder sind international umstritten. Einige Länder wie Lettland und Vesikaris Heimatland Finnland empfehlen, Kleinkinder generell zu impfen. In Deutschland wird eine Impfung für Kinder und Jugendliche nur dann empfohlen, wenn sie erhöhte Risiken aufweisen - etwa aufgrund chronischer Krankheiten.

«Eine flächendeckende Grippe-Schutzimpfung von Kindern kann über den individuellen Schutz hinaus auch die Ansteckungsgefahr für Erwachsene reduzieren», so Falkenhorst. Dafür müssten aber weniger die bis Fünfjährigen, sondern vor allem Schulkinder geimpft werden, weil diese die Viren besonders stark verbreiteten.

Für gezielte Impfkampagnen, wie sie beispielsweise an britischen Schulen durchgeführt würden, seien Lebendimpfstoffe mit abgeschwächten Viren besonders vorteilhaft, erklärte der RKI-Experte. Man könne sie als Nasenspray verabreichen, während der neue adjuvantierte Impfstoff wie andere herkömmliche Impfstoffe gespritzt werden müsse. Allerdings gebe es bei den Lebendimpfstoffen zur Zeit noch offene Fragen zur Wirksamkeit gegen den besonders häufigen Virustyp A/H1N1, der zusammen mit A/H3N2 der häufigste Virustyp sei.

Einen hundertprozentigen Schutz vor Grippe gibt es nach Angaben von Vesikari ohnehin nicht. Auch sei eine Ausrottung der Viren «niemals» möglich. Dazu müsse man die gesamte Bevölkerung jedes Jahr schützen, was schlicht nicht möglich sei. Deshalb gebe es aus seiner Sicht keine bessere Alternative, als die Menschen jedes Jahr zu impfen.

Der saisonale Grippeimpfstoff setzt sich jeweils aus Bestandteilen der weltweit am stärksten zirkulierenden Influenza-Typen zusammen. Dabei gebe es immer Unwägbarkeiten, da sich Grippeviren ständig veränderten. «Man kann immer versuchen, zu erraten, welche Grippestämme im Umlauf sein werden. Die meiste Zeit aber liegen die Vermutungen falsch», sagte Vesikari. Niemand könne vorhersagen, wie viele Erkrankungsfälle es in der anstehenden Grippesaison geben wird.

Ein Einflussfaktor sei das Wetter. «Ein kalter Winter bedeutet in der Regel einen kurzen und hohen Anstieg der Grippefälle auf einen Scheitelpunkt», erklärte Vesikari. In milden Wintern dagegen könnten wie in der vergangenen Grippesaison auch spät im Frühjahr noch neue Erkrankungen auftreten. Welcher Verlauf der epidemiologischen Kurve besser sei, lasse sich nicht sagen.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.

Leserkommentare

Für unabhängige Themen senden Sie einen Leserbrief an die Redaktion. Allgem. Kommentardiskussion

* Pflichtfelder
Jürgen Franke 23.11.17 22:03
Danke Hansruedi, für Deinen Beitrag
zum Thema Grippe Schutzimpfung. Die Eltern sind in der Pflicht, sich über Impfungen ihrer Kinder ausreichend zu informieren, was insbesondere die Kinderkrankheiten anbelangt.
Khun Wilfried Stevens 23.11.17 19:13
@Hansruedi Bütler
Danke für den wichtigen Kommentar.
Hansruedi Bütler 23.11.17 19:06
Schützt eure Kinder...
Kann ich nur bestätigen, Khun Wilfried. Ich war als Impf- und Allergiespezialist für die frühere Firma Smithkline Beecham tätig und kann versichern, dass es absolut keinen Sinn macht GESUNDE und in keiner Art und Weise geschädigte Kinder gegen Grippe zu Impfen. Hingegen ist es viel wichtiger eine eingetretene Infektion gut und stetig zu überwachen. Das erkrankte Kind soll gut sowie korrekt behandelt und beobachtet und nur bei diffizilen Komplikationen medikamentös behandelt werden. Die bewährten Hausmittel, Ruhe, frische Luft und Obst helfen dem erkrankten Kind. Beachten sollte man aber, dass es medizinisch bedingte Ausnahmen gibt (Herz- wie Immunschwäche sowie Vorerkrankungen und familiäre Pathogenese) die es aber immer speziell abzuklären gilt, bevor man zur Spritze greift. Ich habe zwei schwerstgeschädigte Kinder gesehen, welche mit der Impfung sehr wahrscheinlich gesund geblieben wären, aber genauso habe ich gesunde Kinder erlebt, die "KRANK-geimpft wurden. Manchmal ist es für Eltern sehr schwer eine richtige Entscheidung zu treffen, vor allem, wenn die korrekte und gute "Kind bezogene" Beratung fehlt.
Khun Wilfried Stevens 23.11.17 10:42
Schützt eure Kinder...
...die Wahrscheinlichkeit ist gering, Nebenwirkungen von Impfungen interessiert der Pharmaindustrie nicht, ausser bei menschlichen Versuchskaninchen...meine Kinder habe ich nie eine Grippeschutz-Impfung geben lassen und sie leben noch...also vorher erstmal informieren...keine Verschwörungstheorie...555