Spannungen im Nahen Osten befürchtet

V. l. n. r.: Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Internationale Politik und Sicherheit, Volker Perthes, US-Journalist Steven Erlanger und Parag Khanna von der New America Foundation. Archivbild: epa/Joerg Car
V. l. n. r.: Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Internationale Politik und Sicherheit, Volker Perthes, US-Journalist Steven Erlanger und Parag Khanna von der New America Foundation. Archivbild: epa/Joerg Car

BERLIN (dpa) - Als Folge des Ausstiegs der US-Regierung aus dem Atomabkommen mit dem Iran befürchtet ein Experte eine Zunahme der Spannungen im Nahen Osten.

«Vermutlich werden wir in den nächsten Tagen und Wochen eine weitere Destabilisierung der Region erleben», sagte Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, der «Welt» (Mittwoch). «Niemand, nicht einmal das israelische Sicherheitsestablishment oder die Führung Saudi-Arabiens, glaubt, dass der Nahe Osten ohne das Iran-Abkommen sicherer wäre.» Zudem sei «der Riss zwischen den USA und ihren europäischen Alliierten, die an dem Abkommen festhalten wollen und sollten, noch ein Stück tiefer geworden».

Perthes widersprach der Behauptung von US-Präsident Donald Trump, Washington habe «definitive Beweise» dafür, dass Teheran auch nach dem 2015 zwischen USA, Russland, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und dem Iran geschlossenen Deal weiter an der Entwicklung ballistischer, nuklear zu bewaffnender Raketen gearbeitet habe. «Nein, das ist nicht glaubhaft», sagte Perthes. Auch die Chefs der US-Geheimdienste hätten noch in den letzten Tagen im Kongress gesagt, dass es keinerlei Anzeichen dafür gebe, dass Iran seinen Verpflichtungen aus dem Abkommen nicht nachkomme.

US-Präsident Trump hatte am Dienstag erklärt, das Abkommen aufzukündigen. Damit stieß er die übrigen Vertragspartner vor den Kopf. Russland, Frankreich, Deutschland und Großbritannien bedauerten den Entschluss. Sie wollen das Abkommen nun auch ohne Washington am Leben halten. Irans Präsident Hassan Ruhani bekannte sich ebenfalls zu dem Deal, warnte aber, dass die Anreicherung von Uran ohne eine befriedigende Lösung wieder unbegrenzt aufgenommen werden könnte.

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Leserkommentare

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Ingo Kerp 09.05.18 13:50
Macron fährt einen Schmusekurs in den USA mit Trump, der fast homoerotische Züge hat. Merkel erklärt noch einmal in Ruhe die Vor- und Nachteile einer beabsichtigten US-Politik. Was macht Trump? Er macht was er will und zeigt den Europäern damit gleichzeitig, wie egal sie ihm sind.