Eskalation der Gewalt in Syrien

Foto: epa/Mohammed Badra
Foto: epa/Mohammed Badra

DAMASKUS (dpa) - Syriens Regierungstruppen kontrollieren mittlerweile wieder mehr als 50 Prozent des Landes. Drei Wochen vor einer neuen Syrien-Konferenz erhöhen sie den Druck auf die verbliebenen Rebellengebiete.

In den letzten noch von Rebellen gehaltenen Gebieten Syriens ist die Gewalt am Wochenende eskaliert. Bei Luftangriffen östlich der Hauptstadt Damaskus starben am Samstag und Sonntag Aktivisten zufolge mindestens 18 Zivilisten, darunter Kinder. Mindestens 60 Menschen seien in der Region Ost-Ghuta verletzt worden, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. In der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens nahmen Regierungstruppen zugleich einen strategisch wichtigen Ort ein.

Die Anhänger von Präsident Baschar al-Assad hatten in den vergangenen Monaten große Geländegewinne erzielt, vor allem gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Fast sieben Jahre nach Ausbruch des Konflikts beherrschen sie mittlerweile wieder mehr als die Hälfte des Landes, darunter alle wichtigen Städte. Ost-Ghuta und die Provinz Idlib werden beide von Rebellen kontrolliert und sind derzeit am härtesten umkämpft. In beiden Gebieten dominieren radikal-islamische Milizen.

Die Menschenrechter machten für die Bombardierungen in Ost-Ghuta syrische und russische Kampfflugzeuge verantwortlich. Auch am Sonntag berichteten die Menschenrechtler von 20 Luftangriffen sowie heftigen Bombardierungen mit Raketen und Granaten. In den vergangenen zehn Tagen seien in dem Gebiet fast 100 Zivilisten getötet worden.

In der Enklave sind nach Schätzungen rund 400.000 Menschen von der Regierung eingeschlossen. Die Menschen leben in einer kritischen humanitären Lage. Zuletzt eskalierten die Gefechte, nachdem Rebellen einen Stützpunkt der Armee einkreisen konnten.

In der ebenfalls bislang von Rebellen kontrollierten Provinz Idlib nahmen die Regierungstruppen den strategisch wichtigen Ort Sindschar ein, wie die regierungstreuen Nationalen Verteidigungskräfte meldeten. Damit ist der Weg zu einem nahe gelegenen Flughafen frei. Sindschar liegt zudem an einer wichtigen Verbindungsstraße.

Das UN-Nothilfebüro Ocha erklärte über Twitter, in der von Rebellen beherrschten Stadt Marat al-Numan sei zum dritten Mal in weniger als einer Woche die Geburts- und Kinderklinik beschädigt worden und deshalb außer Betrieb. Syrische und russische Jets hatten in dieser Woche zahlreiche Angriffe in der umkämpften Region geflogen.

Das vom syrischen Al-Kaida-Ableger kontrollierte Bündnis Tahrir al-Scham ist in Idlib die dominierende Kraft. Russland und der Iran als Verbündete der Regierung sowie die Türkei als Unterstützer der Opposition hatten im September eine so genannte Deeskalationszone in der Provinz errichtet. Für Ende Januar haben die drei Mächte zu einer Syrienkonferenz im russischen Badeort Sotschi eingeladen. Dort soll über eine Nachkriegsordnung für Syrien verhandelt werden.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.

Leserkommentare

Für unabhängige Themen senden Sie einen Leserbrief an die Redaktion. Allgem. Kommentardiskussion

* Pflichtfelder
Hermann Auer 09.01.18 10:59
@Zil Zelini
... sehr alten innerarabischen und innermuslimischen Machtkämpfe ... Mag sein, dass das eine Rolle gespielt hat. Aber sicher nicht die Hauptrolle. Unter Assad (wahrscheinlich ein Kriegsverbrecher) hatte es keine Probleme zwischen den (Religions)gruppen in Syrien gegeben, bis die CIA mit Hilfe der von den USA (und den Saudis) gehätschelten und mit Waffen versorgten "gemäßígten Rebellen" (einer von den USA aus der Türkei ins Land infiltrierten brutalen Mörderbande!) einen Bürgerkrieg anzettelte. Und das schlicht und einfach wegen einer Gas-Pipeline zwischen Qatar und der Türkei durch das syrische Gebiet, das Assad nicht genehmigte (Quelle z.B.: Robert Kennedy jr.). Die USA wollte, wie schon des öfteren in den letzten Jahrzehnten in anderen Ländern, deswegen einen Regime Change durchsetzen, was diesmal aber dank der Hilfe aus Russland gründlich gescheitert ist. Insgesamt ist das Ergebnis aber jetzt ein völliges Kuddelmuddel von Freund und Feind und "der Feind meines Feindes ist mein Freund". Der ursprüngliche Urheber der Gewaltszene ist auch hier wieder die USA, die sich aber bei der Aufnahme der so generierten Flüchtlinge davonstiehlt wie das Kind vom Dreck. Und nein, das war nicht Trump, sondern der Friedensnobelpreisträger Obama, unter dessen Ägide das fabriziert wurde.
Oliver Harms 09.01.18 09:05
der teppechhöker aus london.....
es haut mich doch immer wieder um vor lachen!warum?weil diese selbsternannte beobachtungsstelle für menschenrechte aus einer einzigen person besteht!eben den teppichhöker aus london.die aufständischen sind söldner aus allen möglichen mosliemischen ländern bzw ländern wo diese glaubensrichtung narrenfreiheit hat wie auch deutschland.nachgewiesen wurde dieser aufstand durch die CIA gestartet und finanziert und das nur aus zwei banalen gründen:neue ölfelder und pipelinen!assad weigerte sich den amerikanern zu erlauben piplinen durch syrien zu verlegen.dasnn noch die ölfelder im meer.....diese strategischen spiele betreiben die amerikaner und engländer schon seit ende des zweiten weltkrieges.
Zil Zelini 08.01.18 09:09
Der...
Konflikt in Syrien beruht auf sehr alten innerarabischen und innermuslimischen Machtkämpfen, die sich gegenwärtig auf brutalste Art entladen. Eine Lösung in einem Konflikt der mit etwa 300 Kriegsparteien unterschiedlichster Grösse ausgetragen wird, wird weder die UNO, noch die EU, noch V. Putin, noch die USA so einfach herbeiführen können. Eine Lösung muss von den Arabern selbst erarbeitet werden. Der "Westen" und "Osten" kann allenfalls mit Unterstützung zur Seite stehen.