Entwicklungen im TXT-Prozess

Foto: epa/Luong Thai Linh
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HANOI (dpa) - Trinh Xuan Thanh steht in Vietnam vor Gericht, ihm droht die Todesstrafe. Der Geschäftsmann wurde vermutlich vom Geheimdienst seines Heimatlandes aus Deutschland entführt. An den Berichten der vietnamesischen Staatsmedien über den Prozess gibt es Zweifel.

Ein mutmaßlich aus Deutschland entführter vietnamesischer Geschäftsmann hat laut Berichten staatlicher Medien vor Gericht wirtschaftliches Fehlverhalten zugegeben. Die deutsche Anwältin von Trinh Xuan Thanh wies diese Darstellung am Dienstag zurück. Ausländische Medien sind zu dem Prozess nicht zugelassen. Anwältin Petra Schlagenhauf wurde die Anreise zu dem Prozess in Hanoi verwehrt.

Thanh habe lediglich eine Mitverantwortung als Aufsichtsratsvorsitzender eingeräumt, wenn seine Untergebenen Fehler begingen und dadurch Verluste entstünden, heißt es in einer E-Mail von Anwältin Schlagenhauf an die Deutsche Presse-Agentur. Dies sei aber nicht strafrechtlich relevant.

Die Berichte über Thanhs Eingeständnis von wirtschaftlichem Fehlverhalten stehen im Zusammenhang mit einem Vertrag über den Bau eines Kraftwerks in der Provinz Thai Binh im Jahr 2011. Laut Anklage sind die Angaben in dem Vertrag, wonach PVC umgerechnet 55 Millionen Euro von seinem Mutterkonzern PetroVietnam erhielt, nicht realistisch gewesen. Mit den Geldern seien stattdessen Schulden von PVC abbezahlt worden. Durch das Missmanagement sei der Regierung ein Schaden in Millionenhöhe entstanden. Für diesen Anklagepunkt drohen Thanh bis zu 20 Jahre Haft.

Thanh bestritt der Internet-Zeitung «Vnexpress» zufolge, er habe aus böser Absicht gehandelt. Er habe angegeben, den Vertrag vor Unterschrift nicht richtig gelesen zu haben.

Die Anklage wirft dem 52-jährigen ehemaligen kommunistischen Funktionär zudem vor, sich als Chef des staatlichen Baukonzerns PetroVietnam Construction (PVC) persönlich bereichert zu haben. Dafür droht ihm die Todesstrafe. Diese Korruptionsvorwürfe wies Thanh am Dienstag vor Gericht erneut zurück, wie Schlagenhauf betonte.

Den Anklägern zufolge soll Thanh mindestens vier Milliarden vietnamesische Dong (etwa 150.000 Euro) in die eigene Tasche gesteckt haben. Dafür soll er demnach die Fälschung von Dokumenten angeordnet haben, so der Vorwurf.

Thanh war im vergangenen Sommer unter rätselhaften Umständen aus Berlin verschwunden, wo er sich um Asyl bemüht hatte. Die Bundesregierung ist überzeugt, dass er vom vietnamesischen Geheimdienst entführt wurde. Vietnam gibt an, dass er freiwillig zurückgekehrt sei.

Mit Thanh zusammen müssen sich 21 weitere ehemalige Manager wegen Misswirtschaft und Korruption verantworten. Die vietnamesischen Behörden verweigerten ausländischen Medien - auch der Deutschen Presse-Agentur dpa - den Zutritt zum Gericht.

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