Elfenbeinverbot im Reich der Mitte

Foto: epa/Paul Hilton
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PEKING (dpa) - Im Geschäft von Frau Chang muss alles raus. Über den Glasvitrinen ihres Elfenbeinladens hängt ein rotes Banner, das für satte Rabatte wirbt. Armbänder, Ringe, sogar ganze Stoßzähne, in die chinesische Tempellandschaften eingeschnitzt sind, werden mit Preisnachlässen von mindestens 40 Prozent angeboten. «Hier gehen bald die Lichter aus», sagt die Verkäuferin.

Wie dem Laden von Frau Chang in Pekings Innenstadt geht es derzeit allen offiziell zugelassenen Geschäften und Werkstätten für Elfenbein in China. Gut die Hälfte von ihnen musste bereits im Mai schließen, die übrigen folgen bis zum 31. Dezember - was für Afrikas Elefanten gute Nachrichten sein dürften.

Zuerst hatten die westlichen Kolonialmächte und später Japan mit der Gier nach Trophäen dafür gesorgt, dass die Zahl der Dickhäuter dezimiert wurde. Zuletzt war es vor allem die Nachfrage aus China nach dem «weißen Gold», die bis zu 20.000 Tiere jährlich das Leben kostete. Die Zahl Afrikanischer Elefanten fällt rapide: Vor zwei Jahrzehnten gab es noch mehrere Millionen, inzwischen sind es nur noch etwa eine halbe Million Tiere.

70 Prozent des weltweit gehandelten Elfenbeins landen nach Schätzungen in der Volksrepublik - die damit hauptsächlich daran schuld ist, dass es sich für Wilderer lohnt, Elefanten zu erschießen und ihnen die Stoßzähne herauszuschneiden. China unterzeichnete zwar schon 1989 das Washingtoner Artenschutzabkommen gegen Elfenbeinhandel, tat aber seitdem wenig für dessen Umsetzung.

In dem nun in Kraft tretenden Verbot sehen Tierschützer die Kehrtwende. Der Bann sei «ein Meilenstein», lobt Zhou Fei, China-Chef der Tierschutzorganisation Traffic. Demnach habe der legale Verkauf in China bislang dafür gesorgt, dass Elfenbein ein gutes Image in der chinesischen Mittel- und Oberschicht genoss und als Luxusprodukt galt. Es wurde als prestigeträchtiges Geschenk überreicht oder als finanzielle Investition wie Gold oder Immobilien betrachtet.

«Das Verbot zeigt Käufern nun, dass es nicht okay ist, Elfenbein zu besitzen», sagt Zhou - der allerdings noch «große Herausforderungen» sieht. Neben dem Aus für den legalen Markt müsse sichergestellt werden, dass die Behörden auch gegen Verkäufe auf dem Schwarzmarkt vorgehen. Zwar purzeln laut einer Traffic-Untersuchung auch dort wegen der verringerten Nachfrage die Preise. Im Internet oder auf Märkten in kleineren Städten ließen sich aber noch immer mühelos Schnitzereien aus Elfenbein finden.

Nach Chinas Einlenken sei es nun zudem wichtig, dass weitere Staaten mit Verboten nachziehen. Und damit meint Zhou nicht nur asiatische Nachbarn wie Vietnam, Laos und Myanmar. Chinas Präsident Xi Jinping hatte vor zwei Jahren mit seinem damaligen US-Kollegen Barack Obama ausgemacht, den Elfenbeinhandel unter Kontrolle zu bringen. Doch während China nun liefert, zögern ausgerechnet die USA.

Mitte November hob die US-Regierung ein von Obama verordnetes Verbot auf, wonach es Großwildjägern untersagt ist, Trophäen und Elfenbein von in Sambia und Simbabwe erlegten Elefanten in die USA einzuführen. Erst auf Druck von Naturschützern machte US-Präsident Donald Trump die Entscheidung vorläufig wieder rückgängig. «Dieses Hin und Her ist ein beunruhigendes Zeichen»?, sagt Zhou Fei.

Auch europäische Staaten geraten zunehmend unter Druck, den Elfenbeinhandel zu beenden. Laut der Tierschutzorganisation Pro Wildlife ist die EU derzeit der größte Exporteur von Elfenbein aus Restbeständen, was laut Washingtoner Artenschutzabkommen erlaubt ist. Diese Märkte «müssen dringend geschlossen werden, um der Wildereikrise in Afrika zu begegnen»?, fordert Daniela Freyer von Pro Wildlife. Der Verkauf der Restbestände befeuere die Nachfrage und diene zudem als Deckmantel für den Handel mit frisch gewildertem Elfenbein.

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