Einigkeit macht stark

Über Jahre haben wir die Greueltaten des sogenannten Islamischen Staates mit ansehen müssen. Terroristen-Attacken folgten in regelmäßigen Abständen. Amoktaten erschütterten uns ebenso, wie der Tod zahlloser Flüchtlinge im Mittelmeer. Inwieweit haben all diese Toten unseren Alltag verändert? In weiten Teilen der Welt hat die Angst um sich gegriffen.

Kinder dürfen nicht mehr auf den Spielplatz, die Eltern trauen sich nicht mehr auf Veranstaltungen zu gehen und viele Familien verzichten auf den lang ersehnten Urlaub. Haben die Terroristen damit ihr Ziel erreicht? Der Krieg gegen sie ist noch längst nicht zu Ende. Er ist auch noch nicht gewonnen. Aber letztlich wird er den Sieg davontragen, weil Hass, Mord und Verbrechen niemals die Welt unterjochen können. Sie können Angst verbreiten, aber nicht auf Dauer. Sie werden kapitulieren oder vernichtet werden. Unser Leben wird nicht durch Furcht bestimmt, sondern von der Freude und der Lebenslust. In den meisten westlichen Ländern ist dieses Gefühl auch bis auf den heutigen Tag noch normaler Alltag. Millionen Menschen kämpfen dafür, dass auch andere Länder in diesen Normalzustand zurückfinden, wozu natürlich auch Nahrung und Bildung gehören.

Was macht unser Leben lebenswert? Für viele bedeutet es – neben Frieden und Freiheit – täglich die ausreichende Nahrung zu bekommen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Andere sind schon froh über etwas Wasser und eine Handvoll Reis oder Hirse.

Was denken diejenigen, die alles und noch viel mehr haben? Die haben auch Angst, Angst vor denen, die nichts haben und sich nun auf den Weg machen in das angebliche Paradies. Ihre Reaktion: Wir müssen uns schützen, Grenzen dicht machen, Mauern bauen.

Die Welt ist eingeteilt in erste, zweite und dritte Welt. Leider kann sich niemand aussuchen, in welche Welt er hineingeboren wird. Die meisten Menschen, denen es gut geht, halten es für selbstverständlich in einem soliden Umfeld aufzuwachsen, und sie verlangen von ihren politischen Repräsentanten, dass die dafür sorgen, ihren Wohlstand zu erhalten. Damit ist der Konflikt bereitet: Die Bürger protestieren gegen die Anflut der Armen und Flüchtlinge überall wo es diesen Ansturm gibt – egal, ob in Europa oder Asien. Die Rohingyas versuchen in Thailand oder Malaysia zu überleben, riskieren Ihr Leben auf dem Meer, aber keiner will sie haben. Die Probleme sind weltweit die gleichen. Jedem ist sein Hemd am nächsten. Kaum einer ist bereit, sein Vermögen zu teilen: „Klar, ich bin Christ oder Buddhist, aber muss ich deshalb…?“ Nein, keiner muss deshalb verarmen. Es genügt, wenn alle wohlhabenden Staaten ihren Anteil bezahlen, der ausreicht, damit kein Mensch wegen Armut sein Land verlassen muss. Der Krieg ist ein anderes Thema. Hier sind wir und die Krieg führenden Staaten verpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen, bis der Frieden in ihrer Heimat wieder hergestellt ist. Trotzdem erscheint es mir unverständlich, wenn Millionen von Emigranten nach Nordeuropa kommen, während andere Länder sich darauf beschränken ein paar Dutzend aufzunehmen. Von einem vereinigten Europa habe ich andere Vorstellungen gehabt. Noch glaube ich an Toleranz und Einheit, aber dieser Glaube schwindet von Tag zu Tag mehr. Solange Eigennutz die Politik bestimmt, wird es keine friedliche Zukunft geben, keine einheitliche EU und keine Hoffnung auf die von mir erwünschten „Vereinigten Staaten von Europa“ als Gegengewicht zu den USA und Asien. Die Einsicht dafür ist nicht vorhanden. Aber je mehr die asiatischen Länder  sich zusammenschließen, umso größer wird der Druck auf Europa sich ebenfalls zu vereinigen zu einer Wirtschaftsmacht, die letztendlich auch zu einer Staatenvereinigung führen muss. Ich bin ein Realist und glaube an dieses Ziel, auch wenn es noch einige Jahre dauern wird. Kleine Nationalstaaten wie Luxemburg, Belgien, Holland oder Dänemark – wie wollen die gegen die Riesenmärkte der USA oder Asiens überleben? Es gibt nur eine einzige Antwort: Europa muss mit einer Stimme sprechen. Dann wird es gehört und akzeptiert. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben es uns erfolgreich vorgemacht, und ASEAN ist auf dem besten Weg es nachzumachen. Wollen wir wirklich das Schlusslicht sein?  All die Probleme, die uns bedrohen, zielen nur auf ein Ergebnis: Schließt euch zusammen! Ohne Vertrauen gibt es keinen Fortschritt. Denn letztlich gilt nur eines: Einigkeit macht stark!

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Leserkommentare

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Jürgen Franke 18.07.17 18:11
Lieber Jack, vermutlich bleiben Deine Wünsche
bezüglich der EU unerfüllt. Sollte es Dich jedoch interessieren, wie es unter Umständen weitergeht, empfehle ich Dir den Vortrag von Prof. Sinn (20.06. Uni Leipzig), da er in seinen Ausführungen auch schon darauf eingeht, was die Merkel mit dem Macron besprochen hat.
Jürgen Franke 18.07.17 10:14
Herr Krüger, wenn man Ihre Zeilen so liest,
könnte man fast den Eindruck gewinnen, dass Ihnen überhaupt nicht bewußt ist, was zur Zeit in Europa los ist. Der Brexit hat eine Sprengkraft, die nur wenige Menschen in Europa realisiert haben, da die Verhandlungen bis zum Ende des nächsten Jahres abgeschlossen sein müssen, denn die Parlamente der Mitgliedsländer müssen noch zustimmen. Dass die polnische und ungarische Regierung ganz aus der Rolle der EU tanzen, kann mit dem Slogan "Einheit macht stark" auch nicht geflickt werden.
Norbert Kurt Leupi 17.07.17 18:54
Einigkeit /Herr C.F.Krüger
Wie immer gut zitiert und vorgetragen , a b e r , bevor Europa sich nicht als Gemeinschaft für echte Freiheit , Demokratie nach CH-Art ,der ernst zunehmenden Menschenrechte , der sozial verpflichtenden Marktwirschaft , der abendländischen Kultur und vor allem einer überschaubaren Bürokratie verpflichtet , möchte ich als Schweizer dieser "Möchte-Gern-Wertegemeinschaft , n i c h t angehören !