Christian Wulff vertrat Deutschland

Ausländische Gäste nahmen Abschied vom verstorbenen König Bhumibol

Im Anschluss an die Einäscherungszeremonie legte Chris­tian Wulff eine Sandelholzblume am Krematorium nieder.
Im Anschluss an die Einäscherungszeremonie legte Chris­tian Wulff eine Sandelholzblume am Krematorium nieder.

BANGKOK: Höchste Sicherheitsstufe vor Bangkoks altehrwürdigen Luxushotel Mandarin Oriental. Scanner schon vor dem Eingang und auffällig viele unauffällige Menschen mit Knopf im Ohr halten sich im Foyer auf. Die Ballsäle im ersten Stock sind zum streng geheimen Sicherheitszentrum umfunktioniert. Was war los?

Die Erklärung: Das Oriental war eines der Hotels, in dem die Ehrengäste aus aller Welt, die zur königlichen Einäscherung gekommen waren, wohnten. Genauer gesagt: Acht Länder hatten ihre hochkarätigen Vertreter hier untergebracht. Im Oriental nächtigten an den Tagen der Trauerfeier: König Letsie III. und Königin Masenate Mohato Seeiso von Lesotho, Erzherzog Guillaume Jean Joseph Marie von Luxemburg, Prinz und Prinzessin Akishino von Japan, Ex-Premierminister Jean-Marc Ayrault von Frankreich mit seiner Frau, Herzog von York Prinz Andrew aus England, Premierminister Sheikh Khalifa bin Salman Al Khalifa aus Bahrain, Königin Emeritus Dona Sofia aus Spanien. Und aus Deutschland: Bundespräsident a.D. Christian Wulff.

Während Prinz Andrew zum Beispiel schon Tage vorher angereist war, hatte Wulff nur genau eine Nacht Aufenthalt geplant.

Christian Wulff wurde nach seiner Landung in Bangkok von Regierungsvertretern begrüßt.
Christian Wulff wurde nach seiner Landung in Bangkok von Regierungsvertretern begrüßt.

​Aber wie läuft so ein offizieller Besuch ab, besonders zu diesem außergewöhnlichen Anlass der Trauerfeier für König Bhumibol?

Wulff landete am 25. Oktober nachmittags. Er flog First-Class mit einer Linienmaschine. Mit dabei zwei seiner bewaffneten Sicherheitsleute. Mit traditionellem Blumenkranz wurde er vom thailändischen Transportminister am Flughafen empfangen. Danach kümmerten sich Botschafter Peter Prügel und seine Mitarbeiter rund um die Uhr um den Bundespräsidenten a.D..

Nach kurzer Pause in der angemieteten Author´s Suite (im alten traditionellen Teil des Oriental-Hotels) hatte sich erst einmal die deutsche Presse angesagt. Ein Interview mit N-TV und eins mit dem Handelsblatt. Immer wieder die Frage: Warum wird ein Bundespräsident a.D. geschickt und nicht der amtierende zum Beispiel?

Bundespräsident a.D. nichts ungewöhnliches

Wulff erklärt den Reportern: „Bei Zeremonien in Monarchien (wie hier in Thailand) ist es so, dass natürlich die anderen Königshäuser aus aller Welt kommen. Die sind hier ja sehr hochrangig vertreten. Demokratien wie Deutschland haben nun mal keine Könige. Da wird dann ein Staatsoberhaupt oder auch ein ehemaliger Präsident genauso hochrangig gesehen wie ein König oder ein Kronprinz. Wir haben ein überschaubares Reservoir eines amtierenden und dreier ehemaliger Bundespräsidenten, und unter uns wird dann diese Vertretung geregelt.“

Frank Walter Steinmeier hatte bereits andere Termine. Und tatsächlich ist die Vertretung durch einen ehemaligen Präsidenten relativ üblich bei vergleichbaren Anlässen. Auch die Schweiz, Indonesien, Neuseeland oder Frankreich zum Beispiel, haben ehemalige Staatschefs geschickt.

Und in der Tat steht Chris­tian Wulff als deutscher Expräsident auf der Liste der Wichtigkeit aller Gäste der Trauerfeier auf Platz 15 von 42. Weit vor der schwedischen oder niederländischen Königin zum Beispiel. Auf dieser Liste geht es um Amtsjahre, Größe des Landes, Anzahl der Untertanen, politische Bedeutung usw. Und so steht dort der König von Lesotho auf Platz 1 und der Nuntius des Vatikanstaates auf Platz 42.

Wulff: „Ich denke, wir Deutschen tun gut daran dem thailändischen Volk zu zeigen, dass wir Anteil nehmen an dieser ganz außergewöhnlichen Trauer. Dass jemand 70 Jahre Staatsoberhaupt war, König war einer Monarchie, die so traditionsgebunden ist – ca. 800 Jahre Geschichte sind hier abgebildet - da wird es sehr wohlwollend beobachtet, dass Deutschland mit einem ehemaligen Bundespräsidenten vertreten ist. Deswegen habe ich dem Wunsch von Frank Walter Steinmeier und Angela Merkel gerne entsprochen, hier diese Verbundenheit der Deutschen zu den Thailändern unter Beweis zu stellen.“

Bevor es zurück nach Deutschland ging, erfolgte noch ein gemeinsames Gruppenfoto.
Bevor es zurück nach Deutschland ging, erfolgte noch ein gemeinsames Gruppenfoto.

Am Abend gab es ein Essen in der deutschen Botschaft. Fisch thailändischer Art. Gemeinsam mit Botschafter Peter Prügel und deutschen Wirtschaftsvertretern.

Am 26. Oktober morgens blieb nur kurz Zeit für ein bisschen Sightseeing. Christian Wulff besichtigte Wat Arun.

Um 14.30 Uhr wurden die Ehrengäste aus aller Welt dann bereits abgeholt, um zum Krematorium gebracht zu werden.

Die Kleiderordnung: White Tie mit allen Orden, d.h. Frackanzug. Kein Dresscode ist förmlicher, keine Garderobe wird seltener ausgeführt. Auch ein Bundespräsident a.D. trägt so etwas sehr selten, erklärt Christian Wulff: „Alle Staatsoberhäupter und Ehrengäste sollten mit ihren Orden an dieser Krematoriums-Trauerzeremonie teilnehmen, d.h. auch ich trete hier auf, wie ich nur bei ganz seltenen Staatsakten oder Zeremonien auftrete. Das habe ich alles mit nach Bangkok gebracht und das trage ich auch. Das brauchte schon einen kleinen extra Koffer, mit Frack und allem, was dazugehört. Eine sehr würdige Form. Aber ich finde, wenn jemand wie König Bhumibol 70 Jahre seinem Land als Staatsoberhaupt gedient hat, dann ist es würdig, ihm zu Ehren das zu tragen.“

Nach der Trauerfeier legte auch Christian Wulff eine Sandelholzblume im Krematorium nieder, dann konnte er König Maha Vajiralongkorn und seinen Schwestern noch kurz persönlich das Beileid des deutschen Volkes übermitteln.

Um 22 Uhr ging es dann aber wieder direkt zum Flughafen - direkt zurück nach Deutschland.

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