Christian im Waisenhaus

Vielleicht erinnern Sie sich daran, dass wir vor über zwei Jahren, in der Nacht vor Heiligabend, ein Baby in einem Obstkorb am Eingang unserer Siedlung fanden, das wir - mit einigen Schwierigkeiten - im Waisenhaus ablieferten. Später haben wir es adoptiert und gaben ihm den Namen Christian. Wir haben uns immer um dieses Baby gekümmert, haben es wöchentlich besucht und uns an den Kosten beteiligt, die dem Waisenhaus für seine Obhut entstanden sind.

Der Kleine hat sich wunderbar entwickelt, erkennt uns schon und kann Mama und Papa sagen, was meiner Herzallerliebsten regelmäßig die Tränen in die Augen treibt.

Wir sind begeistert von der Arbeit, die diese von Vater Ray Brennan gegründete Institution leistet. Wir haben in unserem Bekanntenkreis dafür geworben, diese Einrichtung zu unterstützen und sind froh darüber, jeden Monat einen nicht unwesentlichen Betrag zum Unterhalt beitragen zu können.

Gestern waren wir beide wieder da, lernten bei dieser Gelegenheit zwei deutsche Volontäre kennen, die sich liebevoll um die Kleinen kümmerten. Ben und Tabea arbeiten hier als Volontäre ehrenamtlich für die deutsche Hilfsorganisation Human Help Network und leisten großartige Hilfe. Allerdings verweigerten sie meiner Herzallerliebsten, dass sie unseren Chris mal für ein Wochenende mit nach Hause nehmen durfte.

Das sei ausgeschlossen, seit es mal vor Jahren einen Missbrauchsfall gegeben haben soll.

Für mich verständlich und nachvollziehbar, aber Nai schmollte: "Ich möchte doch nur mal das Gefühl haben, einen Sohn bei mir zu Hause zu haben, statt einen, den ich nur gelegentlich besuche."

No chance.

Aber ich finde es okay. Unter dem Mantel der Nächstenliebe wird so viel Unheil angerichtet, dass man gar nicht vorsichtig genug sein kann.

Wir werden auch zukünftig einmal wöchentlich den kleinen Chris besuchen und ihn begleiten, bis er erwachsen wird und seinen eigenen Weg ins Leben findet.

Und dann wird er auch bei uns im Haus eine neue Heimat finden.

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