Bruce Lee starb vor 44 Jahren

Gedenken an einen der größten Ausnahme-Kampfsportler

HONGKONG: In den 1970er Jahren kam ein ganz neues Film-Genre in den deutschen Kinos, die berühmten asiatischen Martial-Arts-Filme, die das Filmangebot in der Kinowelt mitbestimmten. Dies waren Filme entweder mit unterschiedlichsten historischen Figuren und Geschichten aus der Vergangenheit oder Gut-und-Böse-Storys „made“ aus der Gegenwart. Alle Filme waren zwar in den Anfängen miserabel synchronisiert, wenn man nur die Mundbewegungen betrachtete, aber die Handlungen teilweise schnell durchschaubar, wobei dieses neue Film-Genre sehr gute Ausführungen von verschiedenen Kampfsportarten, eine anscheinend unglaubliche Körperbeherrschung, die mit Tricks und ohne Tricks gezeigt wurden.

Die meisten und bekanntesten Filme stammten zunächst aus Taiwan und China. Dadurch gab es auch in Deutschland einen Kampfsport-Boom, und viele wollten plötzlich Kung-Fu, Karate, Wing Chun oder Taekwondo erlernen. Wenn man Fan dieser Kampfsportfilme wurde, kannte bald jeder auch die Namen der berühmten Schauspieler, die im Filmstudio der Shaw Brothers in Hongkong ihre Filme drehten. Zur damaligen Zeit waren es z. B. zunächst die chinesischen Schauspieler David Chiang, Ti Lung und besonders Bruce Lee.

Bruce Lee – vom Schüler zum Meister

Bruce Lee wurde am 27. November 1940 als viertes Kind des chinesischen Schauspielers Lee Hoi Chuen und der Deutsch-Chinesin Grace Ho in San Francisco geboren. Da er in den Vereinigten Staaten geboren wurde, bekam er automatisch die chinesische und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Einige Monate nach seiner Geburt, zogen die Eltern nach Hongkong zurück. Schon als Kind spielte er in verschiedenen chinesischen Filmen mit. Als Jugendlicher interessierte sich Bruce Lee für Kampfsportarten, auch um sich gegen jede Form wehren zu können. Mit 13 Jahren wurde er einer der wenigen Schüler des berühmten Großmeisters Yip Man, der ihn fünf Jahre lang in die Kampfkunst Wing Chun Kung-Fu unterrichte, körperlich und geistig. Auch begann Bruce Lee schon früh, sich mit anderen Kampftechniken zu beschäftigen. So übernahm er Fußtritte aus dem Taekwondo, Körperbewegungen aus dem Judo, Faustschläge aus dem Karate und Bewegungen aus dem klassischen Kung Fu, um sein erlerntes Wing Chun Kung-Fu zu erweitern und zu verbessern.

Sein ungeduldiger Hang und seine Fähigkeiten, seinen Körper durch hartes Training sich zu stählen, befähigte ihn zu enormen Leistungen. Mit erst 18 Jahren hatte er als Meister schon solch eine große Kampferfahrung, dass es ihm nicht reichte, nur an sportlichen Wettbewerben teilzunehmen, wie es sein Meister geraten hatte. Weil er auch den Kampf auf der Straße suchte, übergab die Polizei ihn einmal in der Obhut seiner Eltern, jedoch mit dem Hinweis, dass er bei weiteren Vergehen mit einer Gefängnisstrafe zu rechnen habe. Weil die Eltern wussten, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, dass ihr Sohn wieder den Kampf auf der Straße suchte, schickten sie ihn 1959, vor seinem 19. Geburtstag, mit 100 US-Dollar in der Tasche, zurück nach San Francisco.

Sein Weg zum Film

Anfangs lebte er bei einem alten Freund seines Vaters in San Francisco und verdiente etwas Geld als Tanzlehrer, den Bruce Lee war auch ein begnadeter Cha-Cha-Cha-Tänzer. Nach einiger Zeit bekam er ein Jobangebot von Ruby Chow, einem Bekannten seines Vaters, der ein Restaurant in Seattle besaß. Hier kam Bruce Lee zur Ruhe und neben seiner Arbeit holte er seinen High-School-Abschluss auf der Edison Technical School nach. Im März 1961 immatrikulierte er sich an der University of Washington und begann dort ein Schauspiel-Studium. In seiner Freizeit gab er interessierten Kommilitonen Kung-Fu-Unterricht, unter ihnen auch seine spätere Frau Linda Emery, die er 1964 heiratete.

Von 1966 bis 1969 bekam er Schauspielerrollen in verschiedenen US-Serien sowie Gastauftritte. Besonders die Rolle als Kato in der Fernsehserie „Die Grüne Hornisse“ (The Green Hornet) wurde seine Fahrkarte zu seiner Schauspielerkarriere als Kampfsportler. Er bekam von Raymond Chow, einem aufstrebenden Filmproduzenten und Eigentümer der Golden Harvest Studios, ein lukratives Angebot über zwei Spielfilme. 1971 wurde sein erster Film „Die Todesfaust des Cheng Li“ und 1972 sein zweiter Film „Todesgrüße aus Shanghai“ sehr erfolgreich vom Publikum angenommen.

Nun wollte er eigene Ideen und seine Ansichten über die Kampfkünste in Filmen darstellen, schrieb das Drehbuch für seinen dritten Spielfilm und führte auch Regie. Der 1972 gedrehte Film „Die Todeskralle schlägt wieder zu“ wurde wegen seiner Art und der charismatischen Darstellung seines neuen Kampfstiles Jeet Kune Do weltweit bewundert und gelobt. Seine tänzelnde Bewegungsart, seine Schnelligkeit, sein hart trainierter Körper und sein markanter Kampfschrei, wurden legendär. Allein in Hongkong wurden mehr als fünf Millionen Hongkong-Dollar eingespielt, was damals alle Rekorde brach.

Sein plötzlicher Tod

Nachdem der Film „Die Todeskralle schlägt wieder zu“ abgedreht war, begann Bruce Lee bereits die Dreharbeiten zu dem Film „Bruce Lee – Mein letzter Kampf“. Warum er damals diesen Titel wählte, weiß keiner. Doch diese Dreharbeiten wurden unterbrochen, da er zwischenzeitlich von der chinesisch-amerikanischen Koproduktion Warner Brothers und Golden Harvest das lukrative Angebot für den Film „Der Mann mit der Todeskralle“ bekam. Im Februar 1973 begannen in Hongkong die Dreharbeiten zu diesem Film. Bruce Lee wollte diesen zu seinen besten Filmen machen, auch um in Hollywood gewürdigt zu werden und nahm ihn physisch und psychisch so stark in Anspruch, dass er am 10.Mai 1973 unerwartet auf den Gängen der Golden-Harvest-Studios mit Atemnot und Schüttelkrämpfen zusammenbrach. Ihm wurde ein Hirnödem und ein epileptischer Anfall diagnostiziert und nach der Verordnung verschiedener Medikamente, kehrte er nach einer Pause zu den Dreharbeiten nach Hongkong zurück, um die Nachproduktion fertigzustellen.

Danach wollte er mit seiner Familie nach Los Angeles zurückkehren. Am Abend den 20.Juli 1973, vor 44 Jahren, bei einer Film-Besprechung, wurde er nach Einnahme eines Schmerzmittels bewusstlos und schnell ins Queen Elisabeth Hospital in Hongkong eingeliefert, doch sein Körper zeigte keinerlei Reaktionen auf alle Wiederbelebungsversuche der Ärzte. Der abschließende Obduktionsbericht und das medizinische Gutachten bestätigten, dass das verabreichte Schmerzmittel, ausgelöst durch eine allergische Reaktion, zu einer schnellen Hirnschwellung führte. Später wurde erklärt, dass er aber auch durch einen epileptischen Anfall, bei dem Herz- und Lungentätigkeit versagten, gestorben sein könnte. Seine Familie und Millionen Fans waren bestürzt zu erfahren, dass der große Bruce Lee mit nur 32 Jahren gestorben war. Sein Grab befindet sich seit dem 30.Juli 1973 in Seattle auf dem Lake View Cemetery Friedhof.

20 Jahre nach seinem Tod, am 28.April 1993, wurde Bruce Lee ein Stern auf dem „Hollywood Walk of Fame“ verliehen. An diesem Tag versammelten sich viele Menschen, um diesen außergewöhnlichen Mann Ehre und Dankbarkeit zu erweisen. Am 27.November 2005 wurde eine Statue zu Ehren von Bruce Lee auf der „Avenue of Stars“ im Hafen von Kowloon, Hongkong, enthüllt. Die Bronzestatue ist 2,5 Meter groß und wiegt 600 Kilogramm. Er wird für alle Kampfsportler als charismatischer Ausnahme-Athlet in sehr guter Erinnerung bleiben. Ruhe in Frieden Bruce Lee!

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